Elektronisches Polleninformationsnetzwerk ePIN

Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München zum neuen elektronischen Polleninformationsnetzwerk ePIN!

Pollenallergie: Elektronisches Polleninformationsnetzwerk ePIN

Im Rahmen der Initiative „Bayern Digital“ hat das Bayerische Kabinett den Aufbau des weltweit ersten automatischen Pollenmonitoring Netzwerks ePIN für Bayern beschlossen. Die Initiative wird von den Ministerien „Umwelt und Verbraucherschutz“ (StMUV) und „Gesundheit und Pflege“ (StMGP) getragen und basiert auf Vorstudien des Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM) der TU München, ein Partner von CK-CARE. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München über das neue elektronische Polleninformationsnetzwerk für Bayern (ePIN).

Herr Prof. Buters, wie sieht das neue elektronische Polleninformationsnetzwerk für Bayern (ePIN) genau aus?

Das neue elektronische Polleninformationsnetzwerk für Bayern (ePIN) besteht aus 8 Stationen mit automatischen Pollenmonitoren und deckt somit genau die 8 Pollenflugzonen ab, in die Bayern unterteilt werden kann.

Zusätzlich werden vier manuelle Pollenfallen betrieben, eine Weiterführung von lange schon vorhandenen Pollenflug-Datenreihen, was wichtig ist für das Monitoring des Klimawandels. Die automatischen Fallen können beides, gesundheitsrelevanten und klimarelevanten Pollenflug erfassen.

Zuvor hatten wir in einem Pilotansatz ein maximales Netzwerk von 27 Pollenmonitoren in Bayern aufgebaut und ein Jahr lang betrieben. So konnten wir bestimmen, welche Aufstellorte notwendig für die Bestimmung des Pollenflugs in Bayern sind und haben gesehen, dass 8 Stationen ausreichen. Dadurch, dass bereits 8 Stationen für eine zuverlässige Bestimmung des Pollenflugs genügen, konnten wir Aufwand und Kosten für das Pollenmonitoring erheblich reduzieren.

Das Besondere an ePIN ist ja, dass es ein automatisiertes Pollenmonitorsystem ist, wie zuverlässig ist dies?  

Wir haben in einer dreijährigen Untersuchung die Brauchbarkeit eines automatischen Pollenmonitors im Vergleich zu der klassischen, manuellen Methode (Mikroskopie) überprüft. Dabei haben wir festgestellt: Die Anzahl der Fehler beider Methoden war in etwa gleich hoch, jedoch unterschiedlicher Art.

Inwiefern kam es mit dem neuen elektronischen Polleninformationsnetzwerk für Bayern zu andern Fehlern, als bei der manuellen Methode?

automatisches pollenmonitoring netzwerks epin fuer bayernAutomatisches Pollenmonitoring Netzwerk ePIN für Bayern! (Quelle: J. Buters)Der größte Fehler des Automaten bestand darin, dass nicht alle Pollen erkannt wurden. Pollen, deren Erscheinungsform von der „klassischen“ Erscheinungsform abwichen, wurden vom System als „unbekannt“ klassifiziert.

Aber: Je häufiger das System benutzt wird, umso besser wird die Erkennungssoftware – das System optimiert sich quasi mit zunehmender Nutzung selbst. Im Gegensatz dazu sind die manuellen Systeme bereits ausgereift und nicht mehr verbesserbar.

Ab wann kommt das elektronische Polleninformationsnetzwerk für Bayern (ePIN) zum Einsatz?

Das neue System wird in den Jahren 2017 bis 2018 aufgebaut und soll ab 2019 im Dauerbetrieb laufen. Ähnliche Bestrebungen gibt es in der Schweiz, wobei dort der Monitor einer Schweizer Firma bevorzugt wird.

 

Was ist der Vorteil des ePIN für die Pollenallergiker?

Die Vorteile des Systems für den Patienten sind enorm! Die Pollenallergene, in ihrer Eigenschaft als „Verursacher“ der Volkskrankheit „Allergie“ - über 80 Prozent der Allergiker sind Pollenallergiker - werden mit diesem System online sichtbar gemacht und bieten Patienten die Möglichkeit, auf ihre Krankheit gezielt zu reagieren. Dabei ist ein großer Vorteil von ePIN, dass das System eine viel genauere Pollenflugvorhersage als bisher erlaubt.

Sie sagten ja, dass der Dauerbetrieb erst in 2019 startet, aber wie kommt man als Pollenallergiker dann an die Daten von ePIN?

Die Daten sind online für jeden abrufbar. Momentan nutzen wir die  Website http://www.hund.de/de/service/pollenflug-information.html, aber zusätzliche Informationskanäle sind in Aufbau.

Sie erwähnten die Schweiz: Gibt es Überlegungen, ePIN von Bayern auch auf andere Bundesländer in Deutschland auszudehnen?

Ich würde das sehr begrüßen, das ist aber Ländersache. Selbstverständlich habe ich Kontakte zu anderen Bundesländern geknüpft.

Herr Prof. Buters, herzlichen Dank für dieses Interview!

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