Antikörpertherapien Neurodermitis

Dr. med. Andreas Pinter, Medizinischer Direktor Clinical Research und Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitäts Klinikum Frankfurt am Main

Neurodermitis: Können Antikörpertherapien Patienten dauerhaft helfen?

Neurodermitis ist eine fordernde Erkrankung. Eine wichtige Säule der Behandlung besteht in einer akribischen Hautpflege und nicht alle Patienten erreichen dadurch Symptomfreiheit. Neue Therapien, die auf Antikörpern basieren, geben Anlass zur Hoffnung. Die nötigen Studien hierzu, werden aktuell am Universitäts Klinikum Frankfurt durchgeführt. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Andreas Pinter, Medizinischer Direktor Clinical Research und Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitäts Klinikum Frankfurt am Main über seine Studien zu den neuen Antikörpertherapien und was dies für Neurodermitis-Patienten bedeutet und ob sie dauerhaft helfen können.

Herr Dr. Pinter, was ist das Ziel Ihrer Neurodermitis-Studien?

Zum aktuellen Zeitpunkt führen wir mehrere Studien in der klinischen Forschung der Universitätshautklinik Frankfurt am Main zum Thema Neurodermitis durch. Dabei soll die Sicherheit und Effektivität von neuen, innovativen Therapieansätzen in der Behandlung der Neurodermitis untersucht werden.

Wie unterscheiden sich diese Neurodermitis-Studien?

Diese Studien unterscheiden sich teilweise grundlegend, abhängig davon, welches Medikament eingesetzt wird und in welcher Entwicklungsphase sich dieses Medikament befindet. Teilweise sind die Studien nur für einen kurzen Zeitraum von etwa drei Monaten angedacht, andere Studien können dagegen über mehrere Jahre gehen. Sehr hoffnungsvoll stellt sich dabei die Behandlung mit Antikörpern dar. Mit der Antikörpertherapie können heute zielgenau bestimmte Schlüsseleiweiße, die an der Entstehung der Neurodermitis beteiligt sind, reguliert werden. Diese Form der Therapie kommt in der Dermatologie bereits seit einigen Jahren bei Patienten mit Schuppenflechte sehr erfolgreich zum Einsatz.

Was versteht man unter „Antikörper“, welche Mechanismen stecken hinter den jeweiligen Antikörpertherapien und welche Antikörper werden getestet?

Antikörper sind natürliche Eiweiße, die jeder Mensch in sich trägt. Natürlicherweise dienen Antikörper der Infektabwehr und richten sich gegen Erreger wie Bakterien oder Viren.

Mit Hilfe der Antikörper sind wir aber weiterhin auch in der Lage, sehr zielgenau Botenstoffe, die zum Beispiel die Entzündung oder den Juckreiz der Neurodermitis auslösen, zu regulieren. Dabei werden diese Botenstoffe nicht komplett unterdrückt, sondern lediglich auf ein normales Level verringert. Der regulierende Eingriff führt dazu, dass die Entzündung in der Haut abnimmt oder sogar komplett verschwindet. Botenstoffe, die bei der Entstehung der Neurodermitis eine Rolle spielen und die als therapeutisches Ziel dienen, sind zum Beispiel das Interleukin-4, Interleukin-13 oder Interleukin-31.

In welcher Form werden die Medikamente bei der Neurodermitis-Antikörpertherapie verabreicht?

Die Antikörpertherapie selbst ist recht unspektakulär, lediglich regelmäßige Injektionen unter die Haut, man nennt das „Subkutaninjektion“, sind dafür notwendig, vergleichbar mit einer Insulin- oder Heparintherapie.

Patienten, die diese Therapieform bekommen, werden von unseren erfahrenen Schwestern in der Selbstinjektion angeleitet. Die Behandlung mittels Injektion ist aktuell der einzige Weg, eine Antikörpertherapie durchzuführen.

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