Unterschied Neurodermitis Psoriasis

Prof. Dr. med. Thomas Fuchs, Leitender Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen und Mitglied des Vorstandes und Öffentlichkeitsbeauftragter des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA)

Neurodermitis? Psoriasis? Zwei unterschiedliche Hauterkrankungen!

Gibt es weitere typische Merkmale für die Psoriasis bzw. Schuppenflechte?

Ein Problem bei der Schuppenflechte ist ihr oft diskreter Verlauf, d.h. die Symptome können so unauffällig sein, dass der Patienten sie manchmal gar nicht wahrnimmt. Z.B. findet man bei Psoriasis-Patienten an den Streckseiten der Unterarme oft raue Stellen, manchmal auch in Verbindung mit einem geröteten Bauchnabel, die dem Patienten nicht als Problem auffallen.

Aus noch ungeklärten Gründen kann es bei diesen Patienten zu einem plötzlichen Psoriasis-Schub kommen. Dann kann plötzlich die gesamte Haut erkranken und stark gerötet sein – man spricht von einer Erythrodermie – einer Rötung des gesamten Hautorgans.

Der Patient fällt aus allen Wolken, wenn er entdeckt, dass seine Haut auf einmal mit entzündlichen, stark schuppenden Flächen überzogen ist. Das kann dazu führen, dass sich die Betroffenen nicht mehr getrauen, ins Schwimmbad oder in die Sauna zu gehen und sich sukzessive aus der Öffentlichkeit zurückziehen.

Bei der Neurodermitis gibt es Triggerfaktoren, die das Auftreten von Symptomen begünstigen. Ist die bei Schuppenflechte auch so?

Auch bei Psoriasis gibt es Triggerfaktoren. Dies sind zum einen bestimmte Medikamente, in der Diskussion sind in diesem Zusammenhang die Betablocker, wobei es Studien gibt, die einen Zusammenhang zwischen Betablockern und Schuppenflechte zu widerlegen scheinen.

Bekannt ist, dass Nikotin und Alkohol in größeren Mengen psoriatrische Schübe induzieren können.
Weitere Triggerfaktoren für Psoriasis sind viren- oder bakterienbedingte  Infekte, körperliche Belastungen und exogene Noxen, d.h. von außen eingebrachte Schädigungen der Haut

Wie triggern diese Schädigungen der Haut die Psoriasis?

Die Schuppenflechte gehört  zu einer Reihe von Haut-Erkrankungen, die mit einem isomorphen Reizeffekt einhergehen können. Mit „isomorpher Reizeffekt“ sind Hautveränderungen gemeint, die sich manchmal erst eine Weile nach einer wie auch immer gearteten Belastung der Haut an bisher unbeeinträchtigten Hautstellen zeigen und die der bestehenden Hautkrankheit „isomorph“, d.h. „gleich“ sind. Das können mechanische Belastungen oder Druck, z.B. an den Händen, aber auch Schürfwunden, oder Schnitte sein. Durch all diese exogenen Noxen kann eine zuvor nicht erkannte Psoriasis ausbrechen.  

So kann es z.B. vorkommen, dass sich bei einem Psoriasispatienten Wochen nach einer Operation eine Psoriasis an der verheilten Narbe zeigt. Das hat mit der Operation selbst nichts zu tun, wird aber durch sie, bzw. durch die Verletzung der Haut ausgelöst. Auch z.B. bei der Knötchenflechte, dem Lichen ruber, kann es zu einem solchen isomorphen Reizeffekt kommen. Eine Kontaktallergie kann ebenfalls ein isomorpher Reizeffekt sein.

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