Neurodermitis Mikrobiom Haut

Prof. Dr. Thomas Werfel, Stellvertretender Klinikdirektor an der Medizinischen Hochschule Hannover

Neurodermitis: Welche Rolle spielt das Mikrobiom der Haut?

In den Bauernhof-Studien konnte nachgewiesen werden, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, ein geringeres Risiko haben, an Asthma zu erkranken. Man hat auch festgestellt, dass sich die Bakterien-Besiedlung in den unteren Atemwegen bei diesen Kindern von Kindern, die Asthma haben, unterscheidet. Kann man diese Aussage auf die Bakterien-Besiedlung der Haut bei Kindern mit und ohne Neurodermitis übertragen?

In den frühen Bauernhofstudien wurden die Zusammenhänge zwischen dem Mikrobiom der Lunge und respiratorischen allergischen Erkrankungen untersucht. Diese Studienergebnisse lassen sich deshalb nicht 1 zu 1 auf allergische Hauterkrankungen wie Neurodermitis übertragen.

Es gibt jedoch neuere Untersuchungen, die Hinweise darauf geben, dass sich ein Leben auf dem Bauernhof doch protektiv im Hinblick auf das Entstehen von Neurodermitis auswirken könnte. Diese Studien wurden mit Schwangeren und neugeborenen Kindern durchgeführt. Es zeigten sich Korrelationen zwischen der Anzahl der auf dem Bauernhof gehaltenen Tierspezies und dem Risiko des Neugeborenen eine Neurodermitis zu entwickeln. Diese Korrelationen waren invers, das bedeutet, je mehr unterschiedliche Tiere auf dem Bauernhof gehalten wurden umso geringer war das Risiko der Kinder, eine Neurodermitis zu entwickeln. Wahrscheinlich ist dies aber nicht auf die direkte Hautbesiedlung zurückzuführen, sondern eher auf indirekte Effekte, über die das Immunsystem verändert wird.

Sie erwähnten, dass sich das Mikrobiom der Läsionen bei Neurodermitis positiv verändert, wenn die Entzündung behandelt wird. Spielt es dabei eine Rolle, durch welche Therapie dies erfolgt?

In der zitierten Studie wurde eine klassische antientzündliche Therapie mit topischen Steroiden und topischen Calcineurinantagonisten durchgeführt. Der Effekt wird vermutlich immer dann eintreten, wenn man etwas einsetzt, das die Läsionen zur Abheilung bringt, denn dann steigt die mikrobielle Vielfalt wieder an. 

Welche antibakteriellen Substanzen sind für eine Therapie der Neurodermitis grundsätzlich zu empfehlen?

In Bezug auf das Staphylococcus aureus ist eine besonders wirksame, mehrfach publizierte Therapie paradoxerweise eine antientzündliche Therapie. Allein die Behandlung der Haut mit topischen Steroiden oder Calcineurininhibitoren führt dazu, dass sich die Kolonisierungsdichte der Staphylokokken auf der Haut verringert. Unterstützend kann man Antiseptika auf den Läsionen einsetzen - Beispiele hierfür wären Triclosan, Chlorhexidin, Octenidin oder auch silberhaltige Cremes oder Textilien.

Grundsätzlich abzuraten ist von einer längeren Behandlung der Haut mit topischen Antibiotika. Zum einen begünstigt man damit die Resistenzbildung, zum anderen neigen einige dieser Antibiotika dazu, zu sensibilisieren, also zu Kontaktallergien zu führen.

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