Basispflege Neurodermitis

Neurodermitis beim Säugling © Prof. Dr. Dietrich Abeck, Gemeinschaftspraxis Hautärzte – Allergologie, München

2. Frankfurter Pädiatrietag: Durch Basispflege Neurodermitis verhindern?

Neurodermitis tritt bei Kindern häufig auf. Man geht davon aus, dass 80 Prozent der Kinder in der Zeit bis zum 6. Lebensjahr zumindest zeitweise an einem atopischen Ekzem leiden. Oft ist die Neurodermitis nur der Anfang eines „allergischen Marsches“ - Nahrungsmittelallergien, Asthma und Heuschnupfen können hinzukommen. In seinem Vortrag im Rahmen des 2. Frankfurter Pädiatrietages, der am 29.11.2014 an der Uniklinik Frankfurt stattfand, stellte Prof. Dr. Dietrich Abeck, Gemeinschaftspraxis Hautärzte – Allergologie in München vor, welche Rolle eine gute und frühe Basispflege bei der Neurodermitis-Prävention spielen könnte und wie man die Neurodermitis mit Basispflege verhindern kann.

Neurodermitis - Primärprävention durch Basispflege!

Beim atopischen Ekzem spielt die Hautbarriere eine wesentliche Rolle. Da sie gestört ist, macht dies die Haut empfänglicher für die Besiedlung mit Keimen und auch potenziellen Allergenen wird wenig entgegengesetzt. „Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass eine Sensibilisierung, z.B. mit Nahrungsmittelallergenen oder Hausstaubmilbenallergenen, über die Haut stattfinden kann“ erklärt Prof. Abeck. Durch eine gute Hautpflege, noch bevor es zu Hautveränderungen gekommen ist, könnte man bei Hochrisikokindern von Anfang an die Hautbarriere stärken und so eine Neurodermitis verhindern. „Es spricht nichts dagegen, diese Kinder von Geburt an 2 bis 3 Mal täglich einzucremen“ empfiehlt Prof. Abeck. Baden wird 2 bis 3 Mal in der Woche empfohlen. Das Eincremen der Haut sollte am besten innerhalb  einer halben Stunde nach dem Bad erfolgen.

Neurodermitis - erste Anzeichen schnell bekämpfen

Eine Neurodermitis entwickelt sich meist nach einem gewissen Schema. In der ersten Phase hat das Kind ein „nicht-atopisches atopisches Ekzem“, das sich oft auf das Gesicht beschränkt. Das heißt, das Kind hat ein Ekzem, ohne dass sich eine Sensibilisierung im Blutserum oder mittels Hauttestung nachweisen lässt. Unbehandelt entwickeln sich im zweiten Schritt  dann entsprechende Sensibilisierungen. Erfolgt weiterhin keine Ekzemabheilung lassen sich in der dritten Phase, im Alter von ca. 3 bis 4 Jahren, zahlreiche Sensibilisierungen bei gleichzeitig klinisch schwerer Neurodermitis feststellen. In dieser Phase ist die Neurodermitis als Autoimmunerkrankung einzuordnen.

Um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern gilt es, die Entzündungen bereits im Anfangsstadium, d.h. in der ersten Phase, so schnell wie möglich zu behandeln. Für eine frühe antientzündliche Therapie eignen sich Kortison und Calcineurin-Inhibitoren. Begleitend zur antientzündlichen Therapie ist eine konsequente Basispflege unabdingbar. Nicht zuletzt deshalb, weil dies zu einer Reduzierung der benötigten Kortisonmenge beitragen kann. Ziel ist es, die Funktion der Hautbarriere schnellstmöglich wieder herzustellen und eine Chronifizierung des atopischen Ekzems bzw. den Beginn eines allergischer Marschs zu  verhindern.

Neurodermitis – was sollte in Basispflegeprodukte enthalten sein, was nicht?

Ziel der Basispflege ist es, die Feuchtigkeit in der Haut zu erhöhen und zu erhalten. Deshalb sind die lipid- und wasserhaltigen Zubereitungen - vorzugsweise in Form der Cremegrundlage - und nicht Salben der richtige Weg, um die Kinderhauthaut bei entzündlichen Veränderungen der Haut zu pflegen. Ein regelmäßiges Eincremen der Haut verlangt auch von den Kindern akzeptierte Pflegeprodukte, die vor allem auch über ein gutes Einziehvermögen verfügen. Leider ist es nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, ob es sich bei einem Pflegeprodukt um eine Creme oder um eine Salbe handelt. Oft suggeriert ein Produktname eine Creme, obwohl es sich tatsächlich um eine Salbe handelt. „Salben sind zur Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen aber nicht geeignet“ betont Prof. Abeck, “man würde ja auch keine Salbe auf einen Sonnenbrand auftragen.“ Auf Produkte mit Harnstoffen sollte bei Kindern bis zum 5. Lebensjahr verzichtet werden. Feuchtigkeitsfaktor der Wahl ist in dieser Altersgruppe Glycerin.

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