Blutwäsche bei schwerer Neureodermitis

PD Dr. med. Michael Kasperkiewicz, Facharzt für Dermatologie und Venerologie an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck.

Schwere Neurodermitis: Wie kann eine Blutwäsche den Patienten helfen?

Wie häufig könnte man bei Neurodermitis die Blutwäsche wiederholen und wie verträglich ist die Behandlung?

Die Behandlung wird sehr gut vertragen, so dass man sie durchaus wiederholen kann.

Es gibt hier aber eine wichtige Einschränkung: Wenn der Patient schlechte Armvenen hat, müsste man, um die Katheter zu legen, auf die Halsvenen zurückgreifen, die erfahrungsgemäß besser zugänglich sind. Die Halsvenenweite ist allerdings größer als an den Armvenen und dadurch steigt das Risiko einer Verschleppung von Bakterien in den Blutkreislauf.

Konkret heißt das, dass bei einem Katheter an der Halsvene ein größeres Risiko besteht, dass Bakterien von der Haut ins Blut gelangen und es kann zu einer klassischen Blutvergiftung mit hohem Fieber und Schüttelfrost kommen. 

Das liegt daran, dass bei Neurodermitis-Patienten die Haut mit Bakterien, insbesondere dem Staphylococcus aureus, stark besiedelt ist. Ausgelöst durch den Juckreiz, kratzen die Patienten, die Haut wird verletzt und es kommt zu Sekundärinfektionen in Form von Bakterienbesiedelungen, die um ein vielfaches höher sind, als bei Menschen mit gesunder Haut. 

Um dieses Risiko zu reduzieren gehen wir mittlerweile so vor, dass wir den Neurodermitis-Patienten, die keine guten Armvenen haben und bei denen die Katheter über die Halsvenen gelegt werden müssen, drei Tage vor Behandlungsbeginn mit antibiotischen Salben prophylaktisch vortherapieren. 

Alle Patienten, bei denen die Blutwäsche über die Armvenen erfolgte, haben diese Therapie bisher aber gut vertragen.

Nach welchen Kriterien wird beurteilt, ob ein Neurodermitis-Patient für die Blutwäsche in Frage kommt?

In unserer Hautklinik gibt es feste Kriterien nach denen man beurteilt, ob ein Neurodermitis Patienten für eine Blutwäsche in Frage kommt.
Die Blutwäsche eignet sich für Menschen, die unter einer schweren Neurodermitis leiden. Dazu gehört ein großflächiger Befall der Haut, starker Juckreiz und eine starke Rötung der Haut. Auch Faktoren wie das Ausmaß der durch die Neurodermitis verursachten Schlaflosigkeit und die Höhe des IGE-Wertes im Blut, der über 750 kU/ml liegen muss, normal liegt er unter 100 kU/ml , werden in diese Überlegungen mit einbezogen. Außerdem müssen die Blutwäsche-Patienten über 18 Jahre alt sein. 

Was können Neurodermitis-Patienten tun, die diese Kriterien erfüllen und sich für eine Blutwäsche interessieren?

Die Behandlung ist in Lübeck momentan ausschließlich im Rahmen eines vorgegebenen Behandlungsprotokolls und Nachbeobachtungszeitraums möglich. Patienten, die eine schwere Neurodermitis haben und gerne an der Blutwäsche-Therapie teilnehmen möchten, können sich gerne an uns wenden.

Ansprechpartnerin ist: 

Dr. Sophie-Charlotte Mook
Telefon: 0451/500-2579
Email: Sophie-Charlotte.Mook@uksh.de

Herr Privatdozent Kasperkiewicz, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.