Blutwäsche bei schwerer Neureodermitis

PD Dr. med. Michael Kasperkiewicz, Facharzt für Dermatologie und Venerologie an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck.

Schwere Neurodermitis: Wie kann eine Blutwäsche den Patienten helfen?

Wird das IgE bei den Neurodermitis-Patienten durch die Blutwäsche dauerhaft entfernt?

Leider nein, das IgE regeneriert sich im Blut der Patienten relativ schnell. Bereits wenige Tage oder Wochen nach der Neurodermtis-Blutwäsche fällt der IgE-Wert des Patienten wieder auf den Ausgangswert zurück.

Wir haben diesen Vorgang in unserer ersten Studie genauer untersucht, indem wir bei unseren Patienten vor und nach der Blutwäsche Hautproben entnommen haben. Hier hat sich gezeigt, dass der Prozess bei der Blutwäsche womöglich so aussieht: Die Blutwäsche entfernt den überwiegenden IgE-Anteil aus dem Blut. Daraufhin kommt es zu einer „Umverteilung“ des hautgebundenen IgE von in der Haut in das Blut, wahrscheinlich vermittelt durch eine Diffusion, eine Art "Sogeffekt". Das bedeutet: Der IgE-Wert im Blut steigt zwar relativ schnell wieder an, das hautgebundene IgE bleibt dann allerdings längerfristig auf einem niedrigen Wert.

Für die Neurodermitis- Patienten war dieser Mechanismus zunächst verwirrend. Sie haben sich zunächst gefragt, welchen Vorteil ihnen die Blutwäsche bieten kann, wenn der IgE-Wert im Blut nach der Behandlung so schnell wieder auf den Ausgangswert ansteigt. Genau der Mechanismus, der zu einer dauerhaften Absenkung des hautgebundenen IgE-Wertes führt, sorgt jedoch auch für die deutliche Besserung der Neurodermitis-Symptome.

Wann zeigt sich bei der Blutwäsche eine erste Besserung der Neurodermitis-Symptome und wie lange bleiben die Patienten beschwerdefrei?

Manche Patienten verspüren bereits während der Behandlung, d.h. innerhalb der ersten fünf Tage eine erste Besserung der Symptome. Sie berichten, dass der Juckreiz abnimmt und dies führt dann relativ schnell zu einer Verbesserung des Hautbildes. Sichtbare Effekte kann man deshalb oft bereits nach dem ersten Blutwäsche-Zyklus beobachten. Der Beobachtungszeitraum in der ersten Studie betrug drei Monate und in diesem Zeitraum konnten wir eine stetige Verbesserung der Neurodermitis-Symptome feststellen.

Zur Beschwerdefreiheit: Von manchen Patienten, mit denen wir auch nach Ablauf der Studie in Kontakt geblieben sind, wissen wir, dass sie bis zu zwei Jahren nach der Neurodermtis-Blutwäsche weitgehend beschwerdefrei waren. Andere Patienten berichteten von Rückfällen nach ca. sechs Monaten, bei denen die Schübe jedoch deutlich leichter ausgefallen sind.

In unserer neuen Studie, in der wir mit einer "Säule" arbeiten, die ausschließlich das IgE aus dem Blutserum bindet, beträgt der Beobachtungszeitraum sechs Monate und hier zeigten die Patienten über dieses halbe Jahr einen zufriedenstellenden Befund. Der nächste Schritt wäre auf jeden Fall zu untersuchen, in welchen Abständen eine Wiederholung der Blutwäsche sinnvoll ist und nach welchen Kriterien.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.