Blutwäsche bei schwerer Neureodermitis

PD Dr. med. Michael Kasperkiewicz, Facharzt für Dermatologie und Venerologie an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck.

Schwere Neurodermitis: Wie kann eine Blutwäsche den Patienten helfen?

Eine relativ neue Therapieoption für Menschen mit schwerer Neurodermitis ist die Blutwäsche, auch selektive Immunadsorption oder IgE-Apherese genannt. Das Grundprinzip beruht auf einer regelrechten Reinigung des Blutes. Wie funktioniert diese Blutwäsche? Welche Mechanismen stecken dahinter und wie wirkt sich die Behandlung auf die Symptome der Patienten aus? Wie kann Blutwäsche den Patienten helfen? MeinAllergiePortal sprach mit PD Dr. med. Michael Kasperkiewicz, Facharzt für Dermatologie und Venerologie an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck.

Herr Privatdozent Kasperkiewicz, die Blutwäsche zur Behandlung von Neurodermitis ist ein relativ neuer Therapieansatz. Wie "funktioniert" eine Blutwäsche?

Bei einer Blutwäsche oder auch selektiven Immunadsorption "wäscht" man die Antikörper, die für die Symptome wahrscheinlich ausschlaggebend sind, regelrecht aus dem Blut heraus.

Dabei geht man wie folgt vor: Zunächst wird der Patient auf eine Liege platziert und es werden zwei Venenkatheter in beide Armvenen gelegt. In manchen Fällen, wenn die Armvene nicht gut verwendbar ist, wird auch die Halsvene genommen.

Dann wird das Blut aus der einen Vene über einen Schlauch in ein spezielles Blutwäsche-Gerät geleitet. Innerhalb des Blutwäsche-Gerätes wird das Blutplasma dann durch sogenannte "Säulen" geleitet. Diese Säulen wiederum enthalten Antikörper der Maus und daran bindet sich dann das im Plasma enthaltene menschliche IgE, daher auch der Name Adsorption.

In unseren ersten Studien war es noch so, dass neben dem IgE auch noch IgG, IgM und IgA gebunden werden, d.h. alle vier Klassen der Immunglobuline und damit das Gesamt-IgE aus dem Blutserum entfernt wurde. Es gibt jedoch auch schon ein neues Gerät, das in der Lage ist, ausschließlich das IgE zu binden und dann verbleiben IgG, IgM und IgA im Körper – wir wollen ja nur das IgE entfernen, das für die Symptome verantwortlich ist. 

Das restliche, sozusagen "bereinigte" Blut, wird dann über den zweiten Venenkatheter wieder in den Körper zurückgeführt.

Wie lange dauert die Prozedur der Blutwäsche? Wie lange dauert eine Sitzung und wie viele Sitzungen werden zur Behandlung der Neurodermtitis benötigt?

Die gesamte Prozedur der Blutwäsche dauert ca. vier Stunden und wird über eine Woche lang - Montag bis Freitag – täglich durchgeführt. Die Behandlung erfolgt stationär und wird nach einem Monat wiederholt. Wir wissen, dass durch die Blutwäsche ca. 90 Prozent des IgE aus dem Blut des Patienten entfernt werden.

Wichtig ist, dass die Patienten zu Beginn der Behandlung ihre gewohnte Medikation genau wie bisher weiter fortführen. Das ist ausgesprochen wichtig, damit man klar nachweisen kann, welchen Effekt die Blutwäsche auf das Beschwerdebild der Neurodermitis tatsächlich hat. Im Laufe der Zeit werden wir die Medikation dann in Absprache mit dem Patienten reduzieren, d.h. ausschleichen. Ziel ist es, eine Kortisonreduktion bzw. -freiheit zu erreichen.

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