Neurodermitits und Depressionen

Prof. Dr. med. Uwe Gieler, Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor der Hautklinik am Universitätsklinikum Gießen.

Neurodermitis: Wie häufig sind Depressionen und Angststörungen?

Gibt es Faktoren, die einen Einfluss darauf haben, ob und wie stark ein Neurodermitis-Patient Depressionen und Angststörungen entwickelt?

Bei der Neurodermitis besteht ein Zusammenhang zwischen der Wahrscheinlichkeit, Depressionen und Angststörungen zu entwickeln und dem Schweregrad der Neurodermitis. Bei schweren Neurodermitis-Symptomen ist das Risiko für psychosoziale Probleme deutlich höher als bei leichteren Neurodermitis-Formen.  

Ein zweiter wichtiger Faktor ist die Einstellung des Patienten zu seiner Neurodermitis – man nennt das die Fähigkeit zum "Coping", d.h. zur Bewältigung der Erkrankung. Ein Patient mit Neurodermitis, der auf Grund seiner Persönlichkeit eine eher negative, pessimistische Grundhaltung einnimmt, hat in der Regel größere Schwierigkeiten als ein Patient mit einer optimistischeren Persönlichkeit. Das ist dann das berühmte Wasserglas, dass der eine als "halbvoll" und der andere als „halbleer“ wahrnimmt – eine positive Grundeinstellung hilft immer auch beim Coping.

Faktoren wie Alter und Geschlecht spielen bei der Entwicklung von psychosozialen Problemen bei Neurodermitis keine Rolle.

"Psychische Belastung" ist ein weites Feld. Woran erkennt man als Neurodermitis-Patient, dass man gefährdet ist und handeln sollte und an wen wendet man sich?

Es sollten schon "handfestere" Kriterien vorliegen, bevor man bei Neurodermitis von Depressionen oder Angststörungen spricht. In den Leitlinien sind diese Kriterien auch festgelegt. 1)

Es ist ein Zeichen für eine zu große psychische Belastung, wenn ein Neurodermitis-Patient über einen längeren Zeitraum als sechs Wochen einen deutlichen Antriebsverlust bemerkt und einfach sehr schlecht "in Gang kommt". Auch wenn Schlafstörungen vorliegen, die nicht nur mit dem Juckreiz in Zusammenhang stehen, kann dies ein Zeichen für eine beginnende psychische Problematik in Form einer Depression sein. Die Neurodermitis-Patienten klagen dann oft über eine traurige Verstimmtheit oder ein ständiges Grübeln, die das Einschlafen verhindern oder zu häufigem Aufwachen führen.

Bei den Angststörungen ist es ein Zeichen für ein beginnendes Problem, wenn man permanent  psychosoziale Situationen vermeidet. Damit ist nicht gemeint, dass man einmal eine Verabredung absagt, weil man gerade unter starkem Juckreiz leidet, sondern das Verhalten, dass Verabredungen wiederholt abgesagt werden und ein Termin mit Freunden erst gar nicht mehr zu Stande kommt. Man spricht dann von einer sozialen Angst.

Die Grundsatzfrage für Neurodermitis-Betroffene lautet: Fühle ich mich durch die Neurodermitis in meinem Leben deutlich beeinträchtigt oder komme ich damit ganz gut zurecht?

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