Neurodermitits und Depressionen

Prof. Dr. med. Uwe Gieler, Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor der Hautklinik am Universitätsklinikum Gießen.

Neurodermitis: Wie häufig sind Depressionen und Angststörungen?

Die Symptome der Neurodermitis sind unangenehm: Jucken, Brennen, z.T. offene aufgekratzte Stellen und unschöne Hautveränderungen machen den Betroffenen den Alltag schwer. Die Behandlung der Neurodermitis konzentriert sich deshalb in erster Linie darauf, diese Symptome unter Kontrolle zu bringen. Im Zusammenhang mit Neurodermitis ist aber auch zunehmend von psychischen Problemen wie Depressionen und Angststörungen die Rede. Wann dies wirklich der Fall ist und wann nicht, darüber sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. med. Uwe Gieler, Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor der Hautklinik am Universitätsklinikum Gießen.

Herr Prof. Gieler, wie häufig sind Neurodermitis-Patienten auch von psychischen Problemen betroffen?

Zunächst möchte ich feststellen: Nicht alle Menschen mit Neurodermitis haben psychische Probleme. Nach den heute vorliegenden Studien geht man davon aus, dass mindestens 25 bis 40 Prozent aller Menschen mit Neurodermitis auch psychosoziale Probleme haben. Diese Zahl erscheint auf den ersten Blick recht hoch und relativiert sich etwas, wenn man sie auf die einzelnen Krankheitsbilder herunterbricht.

Aus einer größeren kürzlich abgeschlossenen Multicenter-Studie, die in 14 europäischen Ländern durchgeführt wurde, geht hervor, dass die Anzahl der klinisch relevanten Depressionen bei Neurodermitis bei ca. 10 Prozent liegt. Hinzu kommen ca. 10 bis 12 Prozent der Neurodermitis-Patienten mit möglichen Depressionen, was zusammengenommen auch ca. 22 Prozent ergibt. Von Angststörungen sind laut dieser Studie ca. 17 Prozent der Neurodermitiker betroffen.

Dies sind die neuesten Zahlen zu diesem Thema, insgesamt entsprechen diese Werte aber den Erhebungen vergangener Studien auf nationaler Ebene. Man muss aber im Umkehrschluss auch sehen, dass 60 Prozent der Neurodermitiker keinerlei  psychosozialen Probleme haben – Neurodermitis ist keine psychische Erkrankung.

Sind denn Depressionen und Angststörungen die häufigsten psychosozialen Störungen bei Neurodermitis?

Ja, bei Neurodermitis sind Depressionen und Angststörungen die am häufigsten vorkommenden psychosozialen Probleme. Allerdings sind Depressionen und Angststörungen  auch grundsätzlich die häufigsten psychischen Störungen in der Bevölkerung.

Man geht davon aus, dass in Deutschland ca. 9 Prozent der Menschen an einer Depression leiden und ca. 11 Prozent an Angststörungen, unabhängig von Neurodermitis oder anderen Erkrankungen.

Da sowohl Neurodermitis als auch Depressionen und Angststörungen häufige Phänomene sind, kann man von einer gewissen zufälligen Koinzidenz ausgehen. Dennoch sind die gerade genannten Zahlen für Depressionen und Angststörungen bei Patienten mit Neurodermitis deutlich höher als in der Durchschnittsbevölkerung.

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