Neurodermitis ADHS

Prof. Dr. Jochen Schmitt, Direktor des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden

Neurodermitis: Gibt es einen Zusammenhang mit ADHS?

Untersuchen Sie die Auswirkungen eines Neurodermitisschubs auf die Konzentrationsfähigkeit oder die Auswirkung der Konzentrationsstörung auf die Neurodermitis?

Primär interessieren uns die Auswirkungen der Neurodermitis auf die Konzentrationsfähigkeit. Viele Eltern vermuten, dass Kinder im Neurodermitisschub weniger leistungsfähig in der Schule sind. Dafür gibt es bislang aber keinen guten wissenschaftlichen Beweis. Um diese für die Lebensqualität der Kinder und betroffener Familien wesentliche Frage zu untersuchen, wählen wir bei den Kindern mit Neurodermitis die Untersuchungszeitpunkte systematisch nach der individuellen Krankheitsaktivität aus: Je 1 Untersuchungstermin sollte mit deutlichen Symptomen der Neurodermitis bzw. im Abheilungsstadium oder gebesserten Zustand erfolgen.

Eltern berichten in manchen Fällen, dass sich ihr eigener Stress in einem Neurodermitisschub des Kindes äußern kann. Deshalb die Frage: Ist es in Ihrem Projekt möglich, auch den Aspekt "Eltern" mit einzubeziehen?  

Selbstverständlich. Gestresste Eltern bedeuten für das Kind Stress und Stress ist ein wesentlicher Schubfaktor der Neurodermitis. Das ist bekannt. In unserer Studie gehen wir aber einen Schritt weiter: Uns interessiert, ob bei Kindern mit Neurodermitis Stress in besonderem Ausmaß auch AHDS-Symptome wie Konzentrationsstörungen auslösen kann. Dazu untersuchen wir sowohl psychosozialen Stress der Kinder als auch die durch die Eltern berichtete Lebensqualität der Familie. 

Welche Ergebnisse erhoffen Sie sich von Ihrem Projekt im Hinblick auf eine mögliche Prävention?

Die Ergebnisse der geplanten Studie sind von heuristischer und klinischer Relevanz, da sie einerseits den Einfluss dysfunktionaler entzündlicher und hormoneller Prozesse auf die Entwicklung und Funktion spezifischer Hirnfunktionen aufklären helfen sowie weiterhin Aufschluss darüber geben werden, ob Entzündungsreaktionen und/oder Stress durch die Neurodermitis ADHS-Symptome auslösen können. Je nach den Ergebnissen der Untersuchung könnte möglicherweise daraus eine spezielle präventivmedizinische Versorgung von den Kindern mit Neurodermitis erfolgen, die ein besonders hohes ADHS-Risiko haben. Durch Beeinflussung dieser Risikofaktoren könnte möglicherweise die Entstehung des ADHS verhindert werden oder ADHS zumindest zu einem frühen und prognostisch günstigen Zeitpunkt erkannt und einer adäquaten Behandlung zugeführt werden.

Wann erwarten Sie erste Ergebnisse und wo können Eltern Informationen zu Ihrer Studie erhalten?

Aktuell haben wir bereits rund 50 Kinder untersucht. Das Interesse an der Studie ist hoch. Im kommenden Jahr erwarten wir die ersten Ergebnisse.

Nähere Information, auch zur Teilnahme an unserer interdisziplinären Studie zum Zusammenhang von Neurodermitis und ADHS erhalten Sie in unserem Studienflyer, sowie bei unserer Studienkoordinatorin Frau Katharina Trikojat, Email: katharina.trikojat@tu-dresden.de, Tel.: 0351/463-32493 oder Fax: 0351/463-37274.

Herr Prof. Schmitt, herzlichen Dank für dieses Interview!

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