Neurodermitis beim Säugling und Kleinkind

Nina Höhn, Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Neurodermitis- und Asthmatrainerin in Hannover.

Neurodermitis beim Säugling und Kleinkind: Was hilft gegen den Juckreiz?

In den Foren werden als Alternative manchmal auch Borretsch oder Nachtkerzenöl empfohlen. Wie sehen Sie diese Mittel? Gibt es Vor- oder Nachteile?

Der Leidensdruck der Kinder mit Neurodermitis und deren Familien ist sehr hoch. Es ist verständlich, dass verzweifelt nach einem - nebenwirkungsfreien - Wundermittel gesucht wird. Borretsch- oder Nachtkerzenöl werden als Kapseln oder in flüssiger Form als Naturheilmittel zur Behandlung der Neurodermitis angeboten, als Arzneimittel haben sie keine Zulassung.

In 27 Studien wurde die Wirkung von Borretsch- und Nachtkerzenöl an 1596 Patienten- Erwachsene und Kinder - untersucht. Sowohl von den betroffenen Patienten als auch von den behandelnden Ärzten wurden die Krankheitssymptome bewertet. Es zeigte sich, dass die Einnahme von Borretsch- oder Nachtkerzenöl die Krankheitssymptome im Vergleich zu den unbehandelten Patienten nicht verbesserte.

Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass weder Borretsch- noch Nachtkerzenöl eine wirksame und effektive Behandlungsmethode der Neurodermitis darstellen. Und auch diese Naturheilmittel sind nicht nebenwirkungsfrei: im Rahmen der Studie wurden zeitweise Kopfschmerzen, Magen- Darmbeschwerden und auch Durchfall beobachtet. Eine Studie registrierte nach dem längeren Gebrauch von Nachtkerzenöl eine zunehmende Gefahr von Entzündungen und Thrombosen und eine Verschlechterung des Immunsystems. Außerdem wird durch die Einnahme von Nachtkerzenöl und zusammen mit bestimmten anderen Medikamenten die Gefahr von Blutungen erhöht. Personen mit einer Neigung zu Krampfanfällen oder Epilepsie sollten Nachtkerzenöl und andere Öle mit einem hohen Gehalt an Gamma-Linolensäure meiden.*

Vor einem sorglosen Umgang und Selbstmedikation mit Borretsch- oder Nachtkerzenöl ist abzuraten. Wenn diese Öle oder andere Naturheilmittel zum Einsatz kommen, sollte auf jeden Fall der behandelnde Arzt informiert werden.

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Wie verhindert man bei sehr kleinen Kindern, dass sie sich aufkratzen?

Man muss wissen, dass es einen Teufelskreis zwischen Juckreiz, Kratzen und der Entzündungsreaktion in der Haut gibt. Unabhängig vom Alter des Kindes gilt es, diesen zu unterbrechen, um die Entzündungsreaktion nicht zu verstärken.

Alle Auslöser sollen nach Möglichkeit gemieden werden. Präventiv wirkt die regelmäßige Anwendung der Basispflege.

Man kann das Kratzen nicht verbieten, der der Haut zugefügte Schaden muss minimiert werden. Die Fingernägel des Kindes sollen so kurz und rund wie möglich geschnitten werden. Bei Juckreiz kann man mit gekühlten Cremes pflegen oder direkt Kälte mit einem Coolpack anwenden. Wärmestaus durch Kleidung und Bettzeug vermeiden.

Größeren Kindern kann man Kratzalternativen anbieten. Das bedeutet, der Juckreiz soll nicht am Entstehungsort, sondern an der gesunden Haut oder einer Kratzalternative nachgekommen werden. Durch Klopfen, Reiben, Kneifen, Streicheln, etc. kann die Haut stimuliert werden ohne sie zu schädigen. Durch Schwarzteeumschläge oder auch fett-feuchte Verbände wird die entzündete Haut geschützt und zugleich gepflegt und gekühlt.

Sehr kleinen Kinder kann man keine Kratzalternativen anbieten, da sie den Zusammenhang noch nicht verstehen. Man kann versuchen, sie auf andere Art  abzulenken, z.B. mit Fingerspielen und ihnen andere angenehme Körperempfindungen vermitteln, z.B. durch Massage, Streicheln, Cremen, Kühlen etc..

Außerdem gibt es Neurodermitis-Schlafanzüge, die teilweise sogar von der Krankenkasse erstattet werden. Sie sorgen in der Nacht für ein angenehmes Schlafklima. Die Enden der Ärmel sind verschließbar, so dass auch in der Nacht nur mit stoffbedeckten Händchen gekratzt werden kann. Fäustlinge oder zugenähte Ärmel des Bodies erfüllen denselben Zweck.

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