Neurodermitis richtig erkennen und behandeln!

Prof. Dr. Regina Fölster-Holst, Oberärztin, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Campus Kiel

Neurodermitis richtig erkennen und behandeln!

Die Rolle der Gene bei Neurodermitis

Die Neigung zur Ausbildung der Neurodermitis ist genetisch festgelegt. Zwillingsuntersuchungen haben gezeigt, dass bei eineiigen Zwillingen ein signifikant höheres gleichzeitiges Auftreten (Konkordanz) für atopische Erkrankungen festzustellen ist, als bei zweieiigen Zwillingen.

Inzwischen wurden Defekte in unterschiedlichen Genen identifiziert. Ein bedeutsames Gen in diesem Zusammenhang ist das Filaggrin-Gen, das für das gleichnamige Protein kodiert. Letzteres spielt eine Rolle bei der Ausbildung einer Hautbarriere, die in der obersten Hautschicht, der Hornschicht lokalisiert ist. Die Filaggrinmutation ist mit einer sehr trockenen, rissigen Haut verbunden, die Tür und Tor für Umweltstoffe, einschließlich der Allergene, öffnet. Treffen diese auf ein genetisch verändertes Immunsystem, geprägt durch IgE-Antikörper, die sich gegen normalerweise harmlose Stoffe, wie beispielsweise Pollen und Hausstaubmilben, richten, bildet sich die atopische Hautentzündung der Neurodermitis aus.

Was kann man gegen Neurodermitis tun?

Grundpfeiler sind, wie oben beschrieben, die Karenz (Vermeidung) von Triggerfaktoren und regelmäßige Pflegemaßnahmen. Die Wahl der Pflege richtet sich nach der Lokalisation, dem Stadium der Erkrankung  - akut oder chronisch -, der Jahreszeit - im Sommer sind mehr wasserhaltige, im Winter fetthaltige Präparate zu empfehlen - und dem Alter der Patienten. Kommt es doch zu einem Schub, sollten Cremes und Salben gegen die entzündete Haut eingesetzt werden. Therapie der Wahl sind Kortikosteroide, die ausschleichend, d. h. durch eine schrittweise Reduzierung über einen längeren Zeitraum,  einzusetzen sind. Für Hautareale, die eine sehr dünne Haut aufweisen, wie z.B. das Gesicht, der Hals und die großen Beugen wie die Achselhöhle oder die Leiste , werden so genannte Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus, Pimecrolimus) verordnet, die im Gegensatz zu den Kortisonpräparaten auch nach längerer Anwendung nicht zu einer Verdünnung (Atrophie) der Haut führen.

In der letzten Zeit hat es sich auch bewährt,  alle 3 bis 4 Tage, d.h. 2 Mal pro Woche diese antientzündlichen Cremes oder Salben auf die zuvor betroffenen Stellen zu applizieren. Das verhindert das Auftreten eines neuen Schubes und wird als "proaktive Therapie" bezeichnet. Diese kann zunächst über 4 bis 6 Wochen erfolgen.

Immer wieder äußern Eltern betroffener Kinder und auch die Patienten selbst Bedenken, Kortison anzuwenden. Diese Kortisonangst erfordert eine entsprechende Aufklärung, die sehr gut im Rahmen von Neurodermitis-Schulungen erfolgen kann. Ziel ist, die Patienten bzw. die Eltern betroffener Kinder zu Managern der Erkrankung auszubilden. Ärztliche Verordnungen und diagnostische Verfahren, wie z.B. Allergietests an der Haut, Blutabnahme zur Bestimmung von Antikörpern gegen Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben und Tierhaaren, werden besser verstanden. Eine Schulung umfasst 6 mal  2 Stunden, in denen die medizinischen Grundlagen des Krankheitsbildes, Stressbewältigungsstrategien zur Reduktion des Juckreizes, Triggerfaktoren, wie beispielsweise Nahrungsmittel, und Behandlungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Dieses übernehmen Ärzte, Psychologen und Ökotrophologen.

In Familien, in denen Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma bereits bekannt sind, sollte schon in der Schwangerschaft darauf geachtet werden, dass das Kind über die Mutter nicht mit Tabakrauch belastet wird. Stillen über mindestens 4 Monate zählt auch zu den prophylaktischen Maßnahmen.

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