Selektive Immunadsorption bei schwerer Neurodermitis

Prof. Dr. med. Kristian Reich, Partner und geschäftsführender Leiter am DERMATOLOGIKUM HAMBURG

Selektive Immunadsorption bei schwerer Neurodermitis

In Deutschland leiden mehr als 2 Millionen Menschen an Neurodermitis. Aktuelle Untersuchungen bestätigen einen stetigen Anstieg der Erkrankung. Bei einem besonders schwer verlaufenden Krankheitsbild schöpfen die Betroffenen alle Therapieoptionen aus, um eine Linderung der Symptome zu erreichen. Für Erwachsene mit schwerer Neurodermitis, bei denen systemische Therapien nicht oder unzureichend angeschlagen haben, gibt es nun eine neue Behandlungsmethode, die selektive Immunadsorption. Bei diesem Therapieansatz handelt es sich um eine Blutreinigung, die gezielt den Antikörper Immunglobulin E (IgE) aus dem Blut eines an Neurodermitis erkrankten Patienten herausfiltern kann. Ein erhöhter IgE-Wert ist ein möglicher Triggerfaktor (Auslöser/Schlüsselreiz) für Neurodermitis. Die selektive Immunadsorption wurde in einer Vorstudie an der Universität Lübeck erfolgreich getestet und die Ergebnisse in der Fachliteratur veröffentlicht.

In einem gemeinsamen Pilotprojekt vom DERMATOLOGIKUM HAMBURG, dem Nephrologischen Zentrum Reinbek und dem Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift kann in einem nächsten Schritt diese innovative Therapie in Frage kommenden Patienten angeboten werden. Für 2013 können  etwa 30 Patienten aufgenommen werden. Behandelt werden sollen vor allem erwachsene Patienten mit hohen IgE-Werten, die mit herkömmlichen Therapien nicht ausreichend behandelt werden können.

Alle Patienten werden zentral im DERMATOLOGIKUM HAMBURG betreut. Dort wird die Eignung der Patienten überprüft und über das Verfahren aufgeklärt. Die Blutreinigung selbst erfolgt jeweils im Nephrologischen Zentrum Reinbek, für die erforderlichen Erholungszeiten stehen am Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift Betten zur Verfügung. Die erforderlichen Verlaufskontrollen finden am DERMATOLOGIKUM HAMBURG statt. Ein Zyklus besteht aus 10 Therapietagen, die in 1x 4 Tagen und 2x 3 Tagen unterteilt sind, mit insgesamt rund 7 Übernachtungen. Zwischen den Blöcken liegen jeweils 4 Wochen Pause. Das Kosten werden zurzeit von gesetzlichen und privaten Kassen übernommen.

Der Behandlungserfolg der selektiven Immunadsorption wird umfassend dokumentiert und sorgfältig ausgewertet. Noch liegen keine statistisch verwertbaren Ergebnisse vor, aber ein Trend ist schon zu erkennen. Die Lebensqualität kann sich durch dieses Therapieverfahren deutlich verbessern. Es werden weniger systemische Medikamente nötig und auch das aufwendige Cremen mit lindernden Salben kann sich reduzieren. Und was für die Betroffenen natürlich besonders wichtig ist: der extreme Juckreiz kann durch diese neue Therapieform abnehmen. Trotzdem betont Prof. Reich, dass durch die selektive Immunadsorption keine rasche Besserung zu erwarten ist. Vielmehr geht es um eine langfristige Abnahme der Krankheitsaktivität.

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