Zusammenhänge Nahrungsmittelallergie und Neurodermitis

Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter des Allergie-Centrums der Ruhr-Universität Bochum (ACR)

Nahrungsmittelallergie und Neurodermitis: Abgrenzung und Zusammenhänge

Man liest oft, dass es einen Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelallergien und ADHS gibt. Können Sie das bestätigen?

Es gibt noch keine direkten Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelallergien und ADHS. Es ist jedoch belegt, dass ADHS bei Kindern mit Neurodermitis in verstärkter Form auftritt. Die Unruhe neurodermitischer Kinder - hervorgerufen durch den Juckreiz -verstärkt die Symptome des ADHS. Gleichzeitig verstärkt die Unruhesymptome der Kinder mit ADHS die Kratzneigung bei Neurodermitis, was wiederum das Hautbild weiter verschlechtert – ADHS und Neurodermitis verstärken sich also gegenseitig, bedingen sich aber nicht.

Gibt es Möglichkeiten, eine Allergie zu verhindern? Was empfehlen Sie den Müttern?

Leider können wir eine Allergie beim Kind nicht grundsätzlich verhindern, der genetische Anteil an der Ursachen der Allergie ist mit ca. 60 bis 70 Prozent sehr hoch.

Umso wichtiger ist es, die Präventionsmaßnahmen, die heute als gesichert gelten, unbedingt zu beherzigen. Grundsätzlich kann man sagen, dass Mütter in der Schwangerschaft bzw. in der Umgebung von Säuglingen das Rauchen komplett vermeiden sollten, sowohl aktiv als auch passiv. Ebenso sollten Innenraumschadstoffe, Feinstaub und starkes Übergewicht (Adipositas) der Kinder vermieden werden. Auf Katzen im Haushalt sollte dann verzichten werden, wenn ein familiäres Risiko und eine Sensibilisierung gegen Katzenepithelien besteht, denn das Katzen-Allergen ist sehr aggressiv.

Weitere Empfehlungen zur Prävention sind, dass die Babies, wenn möglich, in den ersten 4 Monaten ausschließlich gestillt werden sollten. Besteht eine familiäre Vorbelastung für eine Allergie und keine Möglichkeit zum Stillen, sollte man eine hypoallergene Formula füttern. Ebenso sollten alle empfohlenen Impfungen durchgeführt werden.

Spannend und neu ist der mögliche Einsatz von Bakterienlysaten zur Prävention. Hier gibt es erste Studien mit Säuglingen, die ein familiäres Risiko tragen, d.h. bei denen mindestens ein Elternteil Neurodermitis und/ oder eine Allergie haben. Diese Studien konnten nachweisen, dass die Gabe von Bakterienlysaten in den ersten 6 Lebensmonaten dazu führte, dass die Wahrscheinlichkeit für das  Auftreten einer Neurodermitis um ca. 10 Prozent gesenkt werden konnte. Diese Erkenntnisse, die auch in Richtung Hygiene-Hypothese gehen, fließen auch bereits in die aktuellen Behandlungsempfehlungen ein und machen Mut, dass wir doch am Ende eine Art "Impfung gegen Allergie" entwickeln können.

Herr Prof. Hamelmann, herzlichen Dank für das Gespräch!

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