Ernährungsberatung finden

Sonja Pittelkow vom Verband dr Diätassistenten - Deutscher Bundesverband e.V. (VDD) zur Frage: Wie findet man eine qualifizierte Ernährungsberatung?

Ernährungsberatung? Wie findet man einen zuverlässig qualifizierten Experten?

Wenn die Diagnose Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelintoleranz lautet, macht sich schnell Ratlosigkeit breit. Viele sind zunächst unsicher, was sie essen dürfen und was nicht und wünschen sich professionelle Unterstützung. Das Angebot an Ernährungsberatung ist groß, aber wie findet man  einen zuverlässig qualifizierten Experten? MeinAllergiePortal sprach mit Sonja Pittelkow vom Verband der Diätassistenten - Deutscher Bundesverband e.V. (VDD).

Frau Pittelkow, welche Ausbildung qualifiziert zur Ernährungsberatung?

Diätassistenten sind als einziger Heilberuf im Bereich Diätetik und Ernährung therapeutisch tätig. Die Spitzenverbände der Krankenkassen haben festgelegt, welche Grundausbildung und welche Qualifikation ein „Ernährungsberater“ haben muss, um Einzel- und Gruppenberatungen nach §43 und § 20 SGB V durchführen zu können. Das sind ausschließlich Diätassistenten, Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftler mit themenbezogener Zusatzqualifikation.

Da der Begriff „Ernährungsberater“ in Deutschland nicht gesetzlich geschützt ist, darf sich jeder Ernährungsberater nennen. So wird es für den Betroffenen zu einem undurchschaubaren Dschungel an Meinungen, Angeboten und vermeintlichen Experten.

Wer wäre denn nicht qualifiziert, eine Ernährungsberatung durchzuführen?

Nicht qualifiziert wären alle, deren Ausbildung nur Tage bis Monate gedauert hat, wie beispielsweise „ganzheitlicher Ernährungsberater“, „Ernährungstrainerin“, “ Foodcoach“ oder auch Absolventen von Fernstudiengängen.

Sie erwähnten Diätassistenten, Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftler - was ist der Unterschied zwischen diesen Qualifikationen?

Diätassistenten zählen zu den Heilberufen. Als Grundlage tritt hier das Diätassistentengesetz in Kraft, welches betont, dass die eigenverantwortliche Durchführung von diättherapeutischen und ernährungsmedizinischen Maßnahmen auf ärztliche Anordnung und Verordnung erfolgt.

Das Besondere dieser Berufsgruppe ist, dass die Diätassistenten wissen, wie man das Essen und Trinken zubereiten und zusammenstellen muss, um eine Besserung zu erzielen. Sie legen gemeinsam mit dem Patienten die Lebensmittel, Inhaltsstoffe und die Dosierung fest. Es werden auch die Angehörigen geschult und eventuell eine Lehrküchenveranstaltung oder ein Einkaufstraining durchgeführt.

Sie sehen, die Schwerpunkte liegen auf der praktischen Durchführung, der Ernährungsberatung und auf Schulungen.

Oecotrophologen haben als Schwerpunkt physiologische, ökonomische und technologische Grundlagen, sowie das wissenschaftliche Arbeiten.

Die Studiengänge Ernährungsmedizin und Ernährungswissenschaften haben einen Forschungsschwerpunkt, sie befinden sich eher auf Zellebene.

Seit 2014 bietet die Hochschule Neubrandenburg einen aufbauenden Bachelorstudiengang Diätetik an. Dies stellt einen weiteren Schritt zur Akademisierung des Berufsbildes der Diätassistentin dar.

Sie erwähnten den „undurchschaubaren Dschungel an Angeboten“ – was bedeutet das im Hinblick auf den Schutz des Patienten?

Wie bereits erwähnt, stellt die Diätassistentin einen staatlich geregelten und geprüften Heilberuf dar. Wir sind befugt nach ärztlicher Verordnung eigenverantwortlich eine Ernährungstherapie durchzuführen, was wiederum ein wichtiger Punkt bei der Haftung für eventuelle Fehler ist. Weiterhin unterliegen wir, im Gegensatz zu den anderen sich selbst bezeichnenden Ernährungsberatern, dem Antikorruptionsgesetz. Diese können weder haftbar gemacht werden, noch müssen sie sich an das Antikorruptionsgesetz halten.

Eine geschützte Berufsbezeichnung lässt den Patienten sofort erkennen, mit wem er es zu tun hat, was wiederum zu einer deutlichen Patientensicherheit führt.

Welche Risiken bestehen, wenn man sich an eine nicht qualifizierte Ernährungsberatung wendet?

Als größte Risikofaktoren sehe ich eine oft zu einseitige Lebensmittelauswahl. Weiterhin können Symptome wie Durchfälle, Übelkeit/Erbrechen, Schmerzen, eine Fehl- und Mangelernährung, eine ungewollter Gewichtsabnahme oder auch ein anaphylaktischer Schock auftreten.

In schwerwiegenden Fällen wird häufig keine Haftung übernommen.

Hellhörig sollte man immer werden, wenn Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden bzw. diese gekauft werden sollen. Die Patienten haben eine freie Arzt- und Apothekenwahl.

Worauf sollte man achten, wenn man auf der Suche nach einer qualifizierten Ernährungsberatung ist?

Am besten ist, man sucht über die Internetseite des VDD (Verband der Diätassistenten). Dort gibt es eine Diätassistentensuchmaschine, die einem die Spezialisierungen der einzelnen Anbieter anzeigt und wer im gesuchten Gebiet tätig ist.

Ebenfalls sollte darauf geachtet werden, dass die entsprechende Ernährungsberatung auch mit der Krankenkasse abrechnen kann und dass sie, im Falle einer Allergie das Fortbildungszertifikat „Ernährungsfachkraft Allergologie“ des DAAB hat.

Es kann ebenfalls beim VDOE (Verband der Oecotrophologen), DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung), DGEM (Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V.), VFED (Verband für Ernährung und Diätetik) und der BDEM (Bundesverband deutscher Ernährungsmediziner e.V.) nachgefragt werden.

Bei diesen Anlaufstellen können die Patienten sicher sein, dass die entsprechenden Fachkräfte alle ihr Zertifikat für die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung vorweisen können.

Wie zeigt sich die Kompetenz einer guten Ernährungsberatung im Erstgespräch?

Vorab sollte unbedingt geklärt worden sein:

•    Welche Kosten entstehen?

•    Wie sehen die Gespräche aus?

•    Wie viele Gespräche sind erforderlich?

•    Was passiert, wenn ein Termin kurzfristig abgesagt werden muss?

Beim ersten Gespräch sollte dann eine ausführliche Anamnese stattfinden, mit den Schwerpunkten:

•    Lebensweise

•    Lebensumstände

•    Bestehende/zusätzliche Krankheiten

•    Aktuelle Symptomatik

•    Medikamenteneinnahme

•    Welche Diäten wurden schon durchgeführt

•    Ärztliche Untersuchungen

•    Blutwerte

•    Stuhlverhalten

•    und natürlich zur aktuellen Nahrungsaufnahme

Sollten z.B. noch Untersuchungen fehlen, steht die Diätassistentin in enger Kooperation mit dem behandelnden Arzt. Nur so ist ein Patient wirklich sinnvoll therapierbar.

Frau Pittelkow, herzlichen Dank für dieses Interview!

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