Konfokale Endomikroskopie Diagnostik Nahrungsmittelallergien

Prof. Detlef Schuppan zur konfokalen Endomikroskopie, einer neuen Diagnosemethode für Nahrungsmittelallergien!

Konfokale Endomikroskopie: Eine neue Diagnostik bei Nahrungsmittelallergien?

Zu welchen Ergebnissen kamen Sie in Ihrer Studie zum Einsatz der konfokalen Endomikroskopie zur Diagnose von Nahrungsmittelallergien?

Bereits bei nur vier getesteten Allergenen, die in der „normalen“ Ernährung häufig vorkommen, zeigte sich bei 2/3 der Patienten eine Sofortreaktion an der Darmschleimhaut. Bei Weizen kam es am Häufigsten zur Reaktionen - 13 von 22 Patienten reagierten in unserer Studie allergisch. Bei einigen wenigen Patienten zeigten sich sogar gegen zwei der getesteten Nahrungsmittelallergene Reaktionen.

Wenn man mit diesen vier Allergenen bereits 2/3 der Patienten diagnostizieren konnte, heißt das, dass man mit mehr, z.B. 8 Testallergenen wahrscheinlich einem sehr großen Anteil der heutigen Patienten mit einer Nahrungsmitelallergie, insbes. auch vielen Reizdarm-Patienten, durch eine klare Diagnose helfen kann.
Unter einer Exklusionsdiät der betreffenden Nahrungsmittel erfuhren diese Patienten eine dramatische Verbesserung ihrer Beschwerden. Auf der Likert-Skala, mit der man die subjektive Befindlichkeit von Patienten nach einer Behandlung messen kann, konnten die Symptom-Werte von 8 bis 9 über ein Jahr der Nachbeobachtung auf 2 bis 3 verbessert werden, was quasi für eine völlige Beschwerdefreiheit steht.

Allerdings mussten die Patienten sehr intensiv darauf hingewiesen werden, welche industriell gefertigten Lebensmittel ausgeschlossen werden sollten, um z.B. Hefe, Soja, Milch und Weizen zu meiden.

Heißt das, dass ein großer Teil der Reizdarm-Patienten in Wirklichkeit Nahrungsmittelallergien hat?

Die Ergebnisse unserer Endomikroskopie-Studie zeigen, dass klassische Allergie-Parameter, wie z.B. das IgE, bei vielen Patienten nicht geeignet sind, eine Nahrungsmittelallergie-Diagnose zu stellen. Alle der in unserer Studie eingeschlossenen Patienten hatten negative IgE- und Hauttests auf diese Allergene.
Angesichts der Tatsache, dass das Reizdarmsyndrom eine sehr häufige Diagnose ist, die ca. 10 bis 20 Prozent der gastroenterologischen Patienten betrifft, ist das bemerkenswert. Bisher gilt das Reizdarmsyndrom als primär nervös vermittelte Motilitätsstörung.

Wäre dann die konfokalen Endomikroskopie ein neuer, genauerer  Provokationstest für die Diagnose von Nahrungsmittelallergien?

Der Aufwand für eine konfokalen Endomikroskopie ist sehr groß. Im klinischen Alltag ist es nicht machbar, diesen Test standardmäßig durchzuführen.
Wir planen in Zusamenarbeit mit dem Harvard- Dana-Farber  Proteomics-Zentrum in Boston (einen) Serum-Marker für diese Sofortreaktion zu entwickeln. Dafür entnehmen wir den Patienten mit positiver und fehlender Reaktion in der konfokalen Endomikroskopie 30 Minuten bis 4 h nach der Provokation Blut.  Unser Ziel ist es Serum-Parameter für ein Assay Format für eine standardmäßige und sicher orale Provokationstestung zu gewinnen.

Herr Prof. Schuppan, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Quelle:

1)    Fritscher-Ravens A. , Schuppan D., Ellrichmann M., Schoch S., Röcken C., Brasch J., Bethge J., Böttner M., Klose J., Milla PJ., Confocal endomicroscopy shows food-associated changes in the intestinal mucosa of patients with irritable bowel syndrome, Gastroenterology. 2014 Nov;147(5):1012-20.e4. doi: 10.1053/j.gastro.2014.07.046. Epub 2014 Jul 30.

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