Selbstauferlegte Diäten

Dipl oec. troph. Sonja M. Mannhardt, Gesundheitsmanagement, Schliengen

Warum selbstauferlegte Diäten gefährlich sein können

Gestörtes Essverhalten und Allergie – die Suche nach Huhn und Ei

Die Lebensqualität von Patienten mit diagnostizierten Lebensmittelallergien ist häufig geringer wenn die Allergie auf mindestens zwei Nahrungsmittel besteht. Auch ist bekannt, dass Menschen mit Nahrungsmittelallergien ihre Sozialkontakte reduzieren, sich gedanklich mehr, häufiger und intensiver mit ihrem Körper und ihrer Nahrung beschäftigen, sich eher „hilflos“ gegenüber der Erkrankung fühlen und eine größere Ängstlichkeit zeigen. Diese Erkenntnisse verwundern nicht, ist Essensaufnahme doch stets mit einem sozialen Miteinander und positiven Gedanken belegt, so dass gezwungene Einschränkungen der Auswahl und gemachte schlechte Erfahrungen mit der Essensaufnahme, leicht als Einbuße an Lebensqualität betrachtet werden. Darüber hinaus stellte ein Forscherteam 2004 fest, dass es viele Patienten gibt, die vermuten, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden, sich dahinter hingegen eine psychische Erkrankung, beispielsweise eine Depression, verbirgt.

Rechtzeitig professionelle Hilfe suchen

Zwar führt nicht jede selbstauferlegte Diät zu einem auffälligen oder gar gestörten Essverhalten, doch birgt jeder unnötige Eingriff in das sensible Geschehen zwischen körperlichem Bedarf und Bedürfnis des Essens, die Gefahr in sich, dass sich daraus nicht nur eine ernst zu nehmende Fehl- und/oder Mangelernährung entwickeln kann, sondern auch die Integrität des Menschen empfindlich stört - nicht zuletzt dadurch, dass sich ein auffälliges oder gar gestörtes Essverhalten entwickelt, oder eine Essstörung durch die Diät ausgelöst oder versteckt wird.

Menschen mit einer vermuteten Allergie- oder Unverträglichkeit sollten sich daher auf jeden Fall in die Hände eines Arztes und zu einer allergologisch geschulten, erfahrenen Ernährungsfachkraft (DAAB)* begeben, bevor sie selbst Maßnahmen ergreifen, die ohne Wirksamkeit, teuer oder gar gefährlich sein können und bevor sie sich selbst mit irrsinnigen Diätvorschriften in ihrer Lebensqualität einschränken, oder sich ungewollt in ein gestörtes Essverhalten hineinmanövrieren.

Patienten mit einer bestehenden Allergie, die die damit einhergehenden notwendigen therapeutischen Eliminationsdiäten durchführen müssen, sollten während dieser 1 bis 2 Jahre auf jeden Fall regelmäßig zur Ernährungsfachkraft gehen und neben der Betrachtung und Beachtung eines gesunden Ess- und Ernährungsverhalten auch zur Lebensqualität befragt werden, um ein Abdriften in ein gestörtes Essverhalten oder gar in eine Essstörung rechtzeitig aufzudecken, oder zumindest drohenden Fehl- und Mangelernährungszuständen vorzubeugen.

Gestörtes Essverhalten – hinschauen und Unterstützung holen

Sowohl für Betroffene selbst, als auch für Fachpersonen kann es hilfreich sein, eine erste Risikoeinschätzung vorzunehmen. Folgende Faktoren können erfahrungsgemäß auf ein gestörtes Essverhalten bei Patienten mit Unverträglichkeitsreaktionen/Lebensmittelallergien hinweisen.

Fragen zum Essverhalten:**

Gedanken an Essen bestimmen das Gros des Tages
Die Lebensmittelauswahl schränkt sich immer mehr ein
Die Angst etwas „Falsches“ zu essen nimmt zu
Gemeinsame Mahlzeiten werden vermieden
Häufige Beschäftigung mit Gewicht/Waage
Einschränkung der Lebensmittelmenge
Starker Gewichtsverlust in den vergangenen 4 Monaten
Starke Einschränkung der Sozialkontakte


* Eine Liste qualifizierter Ernährungsfachkräfte finden Sie hier
**Einen ausführlichen Anamnesebogen für Ernährungsfachkräfte kann bei der Autorin angefordert werden.

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