Selbstauferlegte Diäten

Dipl oec. troph. Sonja M. Mannhardt, Gesundheitsmanagement, Schliengen

Warum selbstauferlegte Diäten gefährlich sein können

Diaita bedeutete ursprünglich "Lebensweise". Während eine Diät bei Allergien und Nahrunsmittelunverträglichkeiten durchaus als Heilmittel anzusehen ist, kann die selbstbestimmte strenge Einhaltung einer Diät sogar gesundheitsgefährdend sein. Es drohen Fehl- und Mangelernährungszustände, sie können aber auch ein gestörtes Essverhalten auslösen oder ein solches verschleiern.

Diätbegriffe – rund um Allergien

Eliminations-  und Auslassdiäten sind individuelle Kostformen, bei der verdächtige Lebensmittel weggelassen werden, um herauszufinden, was Beschwerden hervorruft. Es handelt sich um diagnostische Diäten, die unbedingt in die Hände von

Ernährungsfachkräften gehören, weil die Lebensmittelauswahl stark eingeschränkt wird und nur über einen begrenzten Zeitraum durchgeführt werden kann. Wenn man bereits weiss, was Beschwerden macht, wird eine individuell angepasste sogenannte therapeutische Diät verordnet, um beschwerdefrei zu bleiben. Solche Diäten spielen bei Diagnostik und Therapie von Unverträglichkeitsreaktionen auf Lebensmittel eine zentrale Rolle. Ohne das intensive Zusammenspiel der Beobachtungen durch den Patienten, Haut- und Bluttests durch den behandelnden Arzt und die professionelle Ausarbeitung einer individuellen Ernährung mit Hilfe einer spezialisierten Ernährungsfachkraft, entbehren Eliminationsdiäten jeglicher Grundlage und können mehr Schaden anrichten, als sie nutzen.

Eliminationsdiät – nicht immer notwendig, nicht immer unbedenklich

Frau Schulze leidet unter Jucken im Mund, geschwollenen Lippen nach dem Essen und ab und zu unter "Heuschnupfen", weiß aber nicht, was die Auslöser sind. Mit Hilfe einer Ernährungsberaterin und begleitenden Tests beim Allergologen stellen sich Kreuzreaktionen auf Frühblüher heraus. Ihren Speiseplan muss Frau Schulze nur einige Wochen in Jahr anpassen, ansonsten fühlt sie sich durch ihre Kreuzallergien nicht eingeschränkt.

Ganz anders Herr Tomann. Er kam mit einigen "unspezifischen Symptomen" zum Arzt, worauf ihm sein Hausarzt empfahl, mittels sogenannter IgG-Tests herauszufinden, ob er allergisch sei. Er reagiere auf 30 Lebensmittel "allergisch" hieß es und die Liste der Lebensmittel, die er nicht mehr essen durfte, schien endlos. Immer mehr schränkte er seine Lebensmittelauswahl ein, weil er der Meinung war, es noch nicht „gut genug“ zu machen. Er und seine Frau bekamen immer häufiger Streit wegen seiner Allergiediät und das Essen machte ihm langsam keine Freude mehr. Er verlor ungewollt an Gewicht, schlief schlecht, litt neuerdings unter Verstopfung und fühlte sich immer kränker. Erst das Gespräch mit einer Ernährungsfachkraft konnte eine potenzielle Fehlernährung durch diese unsinnige Diät verhindern und ihn von seiner Sorge befreien, etwas „Falsches“ zu essen. Die „Verstopfung“ hörte schlagartig auf, als er wieder normal aß, ebenso wie er ab sofort wieder schlafen konnte, denn seine Schlafprobleme waren auf nichts anderes als auf nächtlichen Hunger zurückzuführen.

Herr Jakob muss Diät halten, weil die Symptome einer Lebensmittelunverträglichkeit ihn plagen. Er hat sich die Zusammenhänge von einer Ernährungsberaterin genau erklären lassen und mit ihr einen ganz individuellen Plan erarbeitet, der es ihm erlaubt, nur solche Lebensmittel wegzulassen, die tatsächlich Symptome verursachen. Herr Jakob fühlt sich durch seine "Allergiediät" in keinster Weise eingeschränkt.

Ganz anders hingegen Frau Klein. Sie hat das Gefühl "immer weniger zu vertragen". Jetzt hat der Arzt eine Birkenpollenallergie festgestellt und sie hatte gelesen, dass damit eine Kreuzreaktion auf Nüsse einhergehen könnte. Folglich isst sie seit Monaten keine Nüsse mehr. Da Nüsse aber auch überall „versteckt“ sein können und zahlreiche Verpackungen die Aufschrift "kann Spuren von Nüssen enthalten" tragen, hat sie auf diese Lebensmittel auch verzichtet. Vor Soßen hat sie ebenfalls Angst, denn dort könnte ja Nussöl drin sein. Frau Klein hat seit der selbst verordneten "Allergiediät" sechs Kilogramm Körpergewicht verloren, doch nicht das Gewicht macht ihr Sorgen, auch nicht ihr eingeschränkter Speiseplan, sondern die "Angst" sie würde es nicht schaffen, die Nüsse ganz zu vermeiden. Sie fürchtet sich vor einem anaphylaktischen Schock und schwerwiegenden Folgen für ihre Gesundheit. Durch die Beratung bei der Ernährungsfachkraft wurde Frau Klein bewusst, dass ihre Angst das Falsche zu essen, völlig unbegründet ist und zu einer ungenügenden Nährstoffaufnahme führen kann. Gerade noch rechtzeitig hat sie Hilfe bekommen, so dass sich ihr bereits latent vorhandenes, gestörtes Essverhalten wieder normalisierte.

Auch die Mutter von Kevin (1,5 Jahre) kam um eine psychologisch-pädagogische Begleitung nicht herum. Ihr Sohn leidet an atopischem Ekzem und sie ist überzeugt, es liegt am Essen. Ihre Angst, dass Kevin etwas Falsches essen könnte hat sich derart gesteigert, dass sie ihren Sohn bereits vor vielen Monaten auf eine strenge Diät setzte, ohne mit Fachkräften zusammen zu arbeiten. Keine Milch, kein Ei, kein Fisch, kein Soja, kein Weizen, keine Nüsse. Als Milchersatz bekommt Kevin Mandelmilch. Erst als der Kinderarzt Alarm schlägt, weil Kevin´s Wachstumskurve ins Stocken gerät und bei Frau F. auch Vernunftappelle nicht helfen, sie von ihrer Diät abzubringen, ist sie bereit, sich helfen zu lassen.

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