Nahrungsmittelallergie Anaphylaxie Mikrobiom NOD2-Rezeptor

und der Schwere der Reaktionen gibt, hat Dr. med. Thomas Volz, Oberarzt und Facharzt für Dermatologie und Venerologie an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

Nahrungsmittelallergie, Anaphylaxie, Mikrobiom: NOD2-Rezeptor?

Wie lautet Ihre Hypothese für Ihre weiteren Forschungen und was ist Ihr Ziel?

Unsere Hypothese lautet, dass durch die Aktivierungdes NOD2-Rezeptors eine allergiefördernde Immunantwort gedämpft wird. Damit einher geht die Annahme, dass man bei entsprechend gefährdeten Patienten durch eine Beeinflussung des Mikrobioms die Entstehung einer Nahrungsmittelallergie verhindern könnte. Grundsätzlich ist es unser Ziel, langfristig zu identifizieren, welche Mechanismen unserer Beobachtung zugrunde liegen, die die Interaktion von Mikrobiom und angeborenem Immunsystem vermitteln. Dies sind allerdings langfristige Ziele für die nächsten fünf bis 10 Jahre.   

Ein weiteres Ziel ist, herauszuarbeiten, ob es spezielle Bakterienstämme gibt, die im Mikrobiom des Darmes von Patienten mit Nahrungsmittelallergien über- oder unterrepräsentiert sind und ob wir hier einen Einfluss nehmen können.

In der Vergangenheit bestand die Schwierigkeit bei Untersuchungen des Darmmikrobioms darin, die Bakterienvielfalt exakt zu bestimmen. Wenn man versucht hat, Bakterien klassisch im Labor auf den üblichen Nährböden anzuzüchten, konnte man nur 1 Prozent der vorhandenen Bakterien zum Wachstum bringen. Die restlichen 99 Prozent wuchsen entweder nicht an oder wurden von dominanteren Bakterienstämmen verdrängt.  

Durch die molekulare Sequenzierung, eine DNA-basierte Methode zur Identifizierung von Bakterien, die in den letzten 10 Jahren möglich wurde, kann man mittlerweile die gesamte Bandbreite des Darmmikrobioms erfassen. Außerdem bekommt man nun viel mehr Informationen über das Mengenverhältnis der einzelnen Bakterienstämme zueinander. Durch die Deep Sequencing-Methode kommt die Mikrobiom Forschung nun massiv in Gang.  

Inwiefern konnten Sie sehen, ob das veränderte Mikrobiom die Sensibilisierung auslöst, oder ob die Sensibilisierung das Mikrobiom verändert?

Diese Frage können wir im Moment noch nicht beantworten. Hier gibt es zwei Hypothesen, die wir letztendlich abarbeiten müssen.

1.    Ein verändertes Mikrobiom führt dazu, dass allergiefördernde Signale generiert werden, so dass es zu einer Nahrungsmittelallergie kommt.

2.    Die fehlende Aktivierung des NOD2-Rezeptors verändert das Mikrobiom, denn dieses wird über das Immunsystem im Darm kontrolliert. Dadurch soll eine überschießende Immunantwort verhindert werden, es ist also eine gewisse  Immunhomöostase vorhanden. Wenn diese Immunhomöostase fehlt, weil der NOD2-Rezeptor fehlt, kann es sekundär zur Veränderung des Darmmikrobioms kommen, das dann wiederum eine proallergische Immunantwort auslöst.

Wünschenswert wäre es, wenn unsere Forschungsergebnisse zu klinischen Studien mit Probiotika führen würden, zumal Probiotika-Studien in der Vergangenheit sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielt haben. Aus meiner Sicht könnte ein Grund dafür gewesen sein, dass wir die zugrunde liegenden Mechanismen nicht kannten. Das könnte die Ursache dafür sein, dass manchen Studien zu positiven Ergebnissen kamen und andere nicht – der Zufall könnte eine Rolle gespielt haben. Deshalb könnte der Ansatz, zuerstdie Mechanismen zu entschlüsseln um dann gezielt diejenigen Bakterienstämme einzusetzen, deren Wirkungsweise nachgewiesen wurde, erfolgversprechender sein.

Herr Dr. Volz, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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