Nahrungsmittelallergie Anaphylaxie Mikrobiom NOD2-Rezeptor

und der Schwere der Reaktionen gibt, hat Dr. med. Thomas Volz, Oberarzt und Facharzt für Dermatologie und Venerologie an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

Nahrungsmittelallergie, Anaphylaxie, Mikrobiom: NOD2-Rezeptor?

Sie haben auch den Zusammenhang zwischen Mikrobiom und dem Schweregrad anaphylaktischer Reaktionen untersucht, wie sind Sie vorgegangen?

Von entzündlichen Darmerkrankungen, z.B. Morbus Crohn, wussten wir, dass das Mikrobiom des Darmes und auch die Erkennung über das angeborene Immunsystem eine entscheidende Rolle spielt. Morbus Crohn ist jedoch nicht mit der für allergische Erkrankungen typischen Immunantwort, der Th2-Immunantwort, assoziiert, sondern mit dem genauen Gegenteil, einer Th1/Th17-Immunantwort.

Die Fragen, die wir uns daher als Ausgangspunkt für unsere Studien gestellt haben waren:

Kann die pro-allergische Immunantwort durch mikrobielle Bestandteile beeinflusst werden?

und

Kann die Erkennung von Darmbakterien durch Rezeptoren der angeborenen Immunität eine Nahrungsmittelallergie und deren Schwergrad überhaupt beeinflussen?

Welche Mechanismen konnten Sie bei Ihren Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Mikrobiom und dem Schwergrad anaphylaktischer Reaktionen nachweisen?

Wir konnten sehen, dass die Anaphylaxie, also die systemische allergische Immunantwort, stärker ausfällt, wenn ein Rezeptor des angeborenen Immunsystems (NOD2) fehlt. Dieser Rezeptor erkennt Peptidoglykan, ein Bestandteil aus der Bakterienzellwand. Peptidoglykan kommt bei den typischen Darmbakterien vor. Es handelt sich um Makromoleküle, die sich aus Zuckern und Aminosäuren zusammensetzten. Alle Bakterien haben als Teil ihrer Zellwand eine Schicht aus Peptidoglykan, die für deren Festigkeit sorgt.

Wahrscheinlich geht es bei der Frage nach den Mechanismen, die einer allergischen Reaktion bzw. deren Schweregrad zugrunde liegen, jedoch nicht nur darum, ob die Aktivierung eines einzelnen Rezeptors ausfällt oder nicht. Eine Rolle spielt möglicherweise auch, wie viele andere Rezeptoren ebenfalls aktiviert werden, welche Wechselwirkungen es gibt und was sich aus der Summe dieser Aktivitäten ergibt. All diese Faktoren zusammen sind wahrscheinlich ausschlaggebend dafür, ob die Immunreaktion in die eine oder andere Richtung geht, ein sehr komplexer Prozess bei dessen Erforschung wir noch ganz am Anfang stehen. Gerade die Frage nach den dahinter stehenden Mechanismen wird Bestandteil unserer zukünftigen Forschungsarbeit sein.

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