Problem Selbstdiagnose Intoleranzen

Dr. Imke Reese, Ernährungsberatung und -therapie, Schwerpunkt Allergologie, München

Problem „Selbstdiagnose“ bei Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten

Wenn Menschen "auf Verdacht" auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten, mindert dies an allererster Stelle die Lebensqualität. Es ist immer mit einem gewissen Aufwand verbunden, gewisse Nahrungsmittel zu meiden, und dies gilt sowohl für die "eigenen Küche" als auch für das "Essen gehen" oder für Reisetätigkeiten. Hinzu kommt, dass der Verzicht auf gewisse Nahrungsmittel zwangsläufig mit dem Verzicht auf die Nährstoffe einhergeht, die diese Nahrungsmittel liefern. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Imke Reese, Ernährungsberatung und -therapie, Schwerpunkt Allergologie, München über das Thema "Selbstdiagnose" bei Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten.

Frau Dr. Reese, wie häufig erleben Sie es in Ihrer Praxis, dass ein Patient mit einer Selbstdiagnose zu Ihnen kommt, die sich dann als falsch herausstellt?

Meine Patienten habe in der Regel eine Diagnose, denn sie kommen meist mit einer Empfehlung vom Arzt. Trotzdem erklärt die Diagnose nicht immer vollständig die vorliegenden Beschwerden. Oftmals leitet sich die Diagnose von den durchgeführten Tests ab, ohne dass sie auf klinische Relevanz geprüft wurde. Auch in so einem Fall geht es dann erst einmal um eine weiterführende Diagnostik. Darüber hinaus setzen viele Patienten in der Hoffnung auf Besserung der Beschwerden von sich aus "Auslass-Diäten" an.

Wie kommt es zu diesen falschen Selbstdiagnosen? Was wurde evtl. verwechselt bei Ursache und Wirkung?

Viele Patienten glauben fest daran, dass Ihre Beschwerden primär durch Nahrungsmittel(bestandteile) ausgelöst werden, auch wenn sie unter Erkrankungen leiden, die viele Triggerfaktoren haben. So ist ein Großteil der Neurodermitis-Patienten fest davon überzeugt, dass jede Hautverschlechterung auf einen "Diätfehler" zurückzuführen ist. Dabei ist die Erkrankung multifaktoriell, d.h. die Haut kann über mehrere Auslöser verschlechtert werden. Doch das wissen Betroffene oft gar nicht, sondern fokussieren ausschließlich auf Ernährung.

Jedes Nahrungsmittel trägt zur Nährstoffversorgung bei und hinterlässt eine Lücke, wenn es ersatzlos gestrichen wird. Bei welchen Nahrungsmitteln hat das pure "Weglassen" die negativsten Folgen und wie äußern sich diese?

Gefährlich wird es immer, wenn das Nahrungsmittel oder die Nahrungsmittelgruppe den Bedarf eines Nährstoffs zu einem großen Teil deckt. Das gängige Beispiel ist Kuhmilch. Wird diese inklusive aller Milchprodukte weggelassen, muss sie adäquat ersetzt werden. Sonst kann der Calciumbedarf nicht ausreichend gedeckt werden. Letztendlich ist aber jedes unnötige Weglassen ein Problem. Denn jedes Weglassen bedeutet Einschränkung, Minderung der Lebensqualität und in gewisser Weise eine Ausgrenzung.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.