Nahrungsmittelunverträglichkeiten Übergewicht

Dr. Astrid Menne, Ernährungswissenschaftlerin - Schwerpunktpraxis für Ernährungsmedizin, Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Pommelsbrunn/Hohenstadt

Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten - Übergewicht: Gibt es Zusammenhänge? - Gibt es weitere Unverträglichkeiten bei denen es verstärkt zu Übergewicht kommen kann?

Gibt es weitere Unverträglichkeiten bei denen es verstärkt zu Übergewicht kommen kann?

Auch bei Patienten mit einer nicht diagnostizierten Zöliakie oder Nichtzöliakie-Nichtweizenallergie-Weizensensitivität kann Übergewicht gehäuft auftreten. Allerdings kommt es bei diesen Patienten manchmal auch zu Untergewicht.

Oft führt die diätetische Therapie mit einer glutenfreien Kost bereits zu einer Gewichtsnormalisierung. Dies liegt zum Teil daran, dass im Rahmen der Diät weniger Kalorien zugeführt werden, in manchen Fällen kommt es aber auch bei gleichbleibender Kalorienzufuhr zu einer Gewichtsreduktion bei den Betroffenen. Glutenfreie Lebensmittel sind nicht per se kalorienärmer, manchmal sogar kalorienreicher, häufig ballaststoffärmer als die glutenhaltigen Vergleichsprodukte.

Im Zusammenhang mit Übergewicht erwähnten Sie die Insulinresistenz: Handelt es sich dabei bereits um Diabetes?

Jeder Typ II-Diabetiker hat eine Insulinresistenz, für die Diagnose des Typ II Diabetes gibt es klare Kriterien. Eine Insulinresistenz beginnt meist schon viele Jahre vorher, letztlich handelt es sich bei der Insulinresistenz aber um eine Vorstufe zu Diabetes – hier gibt es „Graustufen“, die ineinander übergehen.

Bei einem Body Mass Index (BMI) von 26 kann man von einer beginnenden Insulinresistenz ausgehen. Je länger ein Übergewicht besteht, desto eher ist zu erwarten, dass eine Insulinresistenz auftritt.

Je nach genetischer Disposition kann eine Insulinresistenz aber auch bei Normalgewicht auftreten.

Sie erwähnten, dass auch eine bakterielle Fehlbesiedlung des Darms Symptome auslösen kann, was bedeutet das?

Eine bakterielle Fehlbesiedlung des Darms liegt vor, wenn das Mikrobiom des Darms gestört ist. Die Ursachen liegen oft in einer falschen Ernährung oder in einer längeren und intensiven Antibiotika-Behandlung. Auch nach Darmoperationen kann es zu bakteriellen Fehlbesiedlungen des Darms kommen.

Könnten Sie erklären, welche Diätfehler zu bakteriellen Fehlbesiedlungen des Darms oder Kohlenhydratmalassimilationen führen können?

Wie gesagt: Ernährung ist sehr individuell! Nicht jeder Mensch, der sich unausgewogen ernährt, muss mit Dysbalancen rechnen. Man weiß aber, dass bakterielle Fehlbesiedlungen des Darms durch extreme Makronährstoffverhältnisse gefördert werden. Mit extremen Makronährstoffverhältnissen ist z.B. eine extrem eiweißreiche, eine extrem fettreiche oder eine extrem kohlenhydratreiche Kost gemeint. Die Dysbalance bei der Nährstoffaufnahme kann also zu Störungen des Mikrobioms führen, d.h. zu einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Darms und, in der Konsequenz, zu Bauchbeschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfällen.

Wie verhält es sich mit der aktuell diskutierten Theorie, dass eine bestimmte Zusammensetzung des Mikrobioms Übergewicht begünstigen könnte?

Zum Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Übergewicht gibt es aktuell Beobachtungen, aber noch keine eindeutigen Belege. Weder im Hinblick auf die Diagnose eines gestörten Mikrobioms noch bezüglich der Therapie gibt es eindeutige Studienergebnisse.

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