Nahrungsmittelunverträglichkeits Test

Dr. Maud-Bettina Hilka, HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden

Allergie? Sinn und Unsinn von Nahrungsmittel-Unverträglichkeits-Tests!

Und wenn es sich eher um eine Intoleranz handelt?

Im Gegensatz zu den Allergien lassen sich manche Intoleranzen nur bis zu einem gewissen Grad nachweisen. Weist die Anamnese eher auf eine nicht allergische Unverträglichkeit, lässt sich z.B. die Laktoseintoleranz oder die Fruktoseintoleranz mit einem Atemtest untersuchen.

Viele Patienten kommen mit den sogenannten IgG4-Testungen zu uns. In diesem Bluttest, den die Patienten mit ca. 250,- € selbst bezahlen müssen, werden etliche Nahrungsmittel durchgetestet. Meist ist das Ergebnis, dass die Patienten auf eine ungeheure Vielzahl von Nahrungsmitteln positiv reagieren und sie in der Konsequenz aus dem Speiseplan streichen.

Was bedeutet eine positive Reaktion bei einem IgG4-Test?

Der IgG4-Test zeigt lediglich an, dass sich der Organismus mit dem Nahrungsmittel auseinandergesetzt hat, insbesondere dann, wenn man sie erst kürzlich verzehrt hat. Das ist eine normale Reaktion, bildet den aktuellen Speiseplan ab und bedeutet nicht, dass es sich um eine allergische Reaktion handelt und man all diese Nahrungsmittel nicht mehr essen darf. Viele Patienten kommen dann völlig verzweifelt in die Praxis, weil sie nichts mehr essen können. Leider sind diese Tests sehr verbreitet. Er wird im Internet und leider auch in manchen Arztpraxen angeboten. In vielen Fällen führen IgG4-Tests zu Verunsicherung, unsinnigen Diäten und Mangelernährung, obwohl hinter den Beschwerden oft nur eine Intoleranz steckt.

Wenn auch in Arztpraxen IgG4-Tests angeboten werden, welche Fragen muss der Patient stellen, um diese zu erkennen?

Allergietests, Atemtests bei Intoleranzen oder Tests auf Zöliakie kosten den Patienten nichts und werden von den Krankenkassen übernommen. IgG4-Tests zahlt die Krankenkasse nicht, denn sie sind eine IGeL-Leistung, d.h. eine „Individuelle Gesundheitsleistung“, die der Patient selbst finanzieren muss. Deshalb ist die beste Frage, die der Patient dem Arzt stellen kann: Was kostet mich das? Soll der Patient eine höhere Summe selbst tragen, sollte er klar sagen, dass er sich die Sache nochmals überlegen will und einen Arzt seines Vertrauens ansprechen.

Was raten Sie Patienten, die den Verdacht haben, an einer Intoleranz zu leiden?

Am besten wäre es, die Patienten würden zunächst einmal konsequent über vier Wochen ein Ernährungstagebuch führen und einfach protokollieren, was sie essen und welche Beschwerden wann auftreten. Auf Basis dieses Protokolls sollte dann ein Termin mit einem Arzt und – bei Bedarf in letzter Instanz - mit einem Allergologen stattfinden.

Frau Dr. Hilka, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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