Bauchbeschwerden Intoleranzen Fertigprodukte

Univ. Doz. Dr. Maximilian Ledochowski, Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmedizin aus Innsbruck

Bauchbeschwerden: Spielt die moderne Lebensmittelproduktion eine Rolle?

Sie sagten, dass Fruktose und Co. unseren Geschmackssinn verändern…

Bei den Verbrauchern gibt es eine Tendenz zu süßeren Lebensmitteln. Die Obstbauern reagieren auf den Trend, indem sie auf süßere Obstsorten umsteigen. Deshalb wird der Golden Delicious, der in den 80er Jahren die süßeste Apfelsorte war, heute in viele andere, eigentlich weniger süße Apfelsorten hineingezüchtet. Dadurch steigt der Fruchtzuckergehalt der neuen Sorten und außerdem das allergene Potenzial. Der Golden Delicious hat das höchste Allergenpotenzial für Birkenpollenallergiker. Ein weiteres sehr gefährliches Problem sind übrigens die Aromen.

Was macht die Aromen gefährlich?

Man sagt immer: Die Dosis macht das Gift und gemeint ist damit, „wenn die Dosierung niedrig ist, kann es nicht gefährlich sein“ Aus meiner Sicht muss es jedoch heißen: Die Dosis und die Information machen das Gift! Die Aromen haben einen hohen Informationsgehalt. Da sieht man schon daran, welche Rolle Aromen und Duftstoffe in der Tierwelt spielen. Fertilität, Partnerwahl etc. alles wird über Aromen gesteuert und nicht umsonst werden Aromen und Duftstoffe für die Schädlingsbekämpfung eingesetzt.

Übertragen auf unsere Lebensmittel heißt das: Wenn eine werdende Mutter viel Brot mit Butteraroma isst, d.h. mit Diacetyl angereichertes Brot, gelangt dieser Aromastoff über das Blut der Mutter ins Fruchtwasser. Das ungeborene Kind trinkt das Fruchtwasser und wird so auf Butteraroma konditioniert. Als Erwachsener wird das Kind dann alle Lebensmittel bevorzugen, die mit Butteraroma versetzt sind und hier haben Sie einen der Gründe für die steigende Zahl übergewichtiger Kinder. Gleichzeitig wird Butteraroma dazu genutzt, weniger attraktive Lebensmittel zu aromatisieren. Ein Beispiel dafür ist das im Kino so beliebte Popcorn – ohne das Butteraroma hätte es quasi keinen Geschmack. Übrigens gibt es dazu auch wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass die Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft Anis gegessen hatten, eine Präferenz für Anis haben.

Die frühkindliche Prägung auf bestimmte Nahrungsmittel beginnt bereits im Mutterleib?

Der Sinn dieser pränatalen Prägung besteht in der frühen Konditionierung auf erlaubte Speisen. Diese Prägung wird in der Stillzeit dann nochmals verstärkt, denn über die Montgomery Drüsen, die die Brustwarzen umgeben, wird der Säugling erneut mit Aromen konfrontiert, die durch die Nahrung der Mutter geprägt werden. Das Kind lernt so die „richtigen“ Nahrungsmittel am Geruch zu identifizieren, denn was die Mutter isst, ist auch gut für das Kind.

Isst eine Mutter nun viele Lebensmittel mit künstlichen Aromen, wird das Kind auf diese Aromen geprägt und bevorzugt sie auch später. Die Hersteller künstlicher Aromen haben sich perfekt auf diese Entwicklung eingestellt. Z.B. findet man im Sortiment der Aromaproduzenten das Aroma „Ananas in Dosen“, weil die meisten Menschen eben Ananas aus Dosen essen und sich an den leicht metallischen Geschmack so sehr gewöhnt haben, dass sie ihn dem Geschmack frischer Ananas vorziehen. Auch das lernen die Kinder durch die Mutter und die Lebensmittelindustrie macht sich dies vielleicht auch schon zu Nutze. Deshalb kann ich es überhaupt nicht nachvollziehen, dass die Lebensmittelindustrie der Eigenkontrolle unterliegt.

Übrigens erklärt dies aus meiner Sicht auch den zunehmenden Anteil übergewichtiger Menschen. Ebenso erklärt es den sogenannten Jojo-Effekt, der dazu führt, dass Menschen zwar erfolgreich Gewicht verlieren, dann aber wieder zunehmen. Die pränatale Prägung lässt sich leider später nicht mehr „umprogrammieren“.

Deshalb ist es aus meiner Sicht auch nicht angebracht, im Zusammenhang mit Übergewicht von Selbstverantwortung zu sprechen. Mit Sport treiben und gesunder Ernährung kann man nicht korrigieren, wenn ein Mensch bereits als Embryo  entsprechend geprägt wurde.

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