Essstörungen Nahrungsmittel-Intoleranzen

Dr. Bernhard Osen, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik & Psychotherapie an der Schön Klinik Bad Bramstedt

Essstörungen: Symptome? Wie kommt es dazu? Wer ist gefährdet?

Steht die exzessive Beschäftigung mit dem Essen am Beginn der Erkrankung und das gestörte Essverhalten folgt daraus?

In der Regel steht am Anfang ein emotionales Problem. Das kann z.B. die Unzufriedenheit mit sich selbst in Verbindung mit Konflikten im sozialen Umfeld sein. Es kommt zur Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls. Zunächst wird versucht über Leistung das emotionale Gleichgewicht wieder herzustellen.

Dadurch wird die Stressbelastung jedoch noch höher. Die Essstörung stellt dann einen unbewussten Versuch dar einen Weg zu finden, sich wieder wertvoll und attraktiv zu finden. Von den Betroffenen hört man oft Sätze wie:

„Ich wollte etwas in meinem Leben verändern, aber wusste nicht, was. Am einfachsten konnte ich mein Körpergewicht verändern. Bei der ersten Diät habe ich festgestellt, dass ich Komplimente für mein gutes Aussehen bekam und ich habe mich leistungsfähiger und wohler gefühlt.“

Wenn die Patientinnen bei längerem restriktivem Essen einen gewissen „toten Punkt“ überwunden haben, fühlen sie sich oft kräftiger und leistungsfähiger. Dies wird als Erfolg wahrgenommen und so halten die Betroffenen diese Situation aufrecht. Manche wollen wieder zunehmen, schaffen es aber nicht und kommen aus dem Teufelskreis nicht mehr heraus. Vielmehr bekommen sie ein schlechtes Gewissen, sobald sie wieder normal essen.

Welche Risikofaktoren tragen dazu bei, eine Essstörung zu entwickeln?

Der größte Risikofaktor für eine Essstörung ist die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Ein häufiger Anlass für diese Unzufriedenheit ist der Vergleich unter Gleichaltrigen in der Peer Group. Es entsteht die Überzeugung, wer schlanker ist, bekommt mehr Aufmerksamkeit. Manchmal stacheln sich junge Mädchen gegenseitig an, indem sie beschließen, gemeinsam eine Diät zu machen, um ein paar Kilo abzunehmen.

Auch die Medien haben dabei einen gewissen Einfluss. So orientieren sich viele junge Menschen an Modezeitschriften oder Schlankheitsidealen, die über Sendungen, wie z.B. "Germanys next Topmodel" vermittelt werden. Dabei entsteht der Eindruck, dass schlanke Menschen mehr Erfolg haben als andere und die Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen wächst.

Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung einer Essstörung sind Perfektionismus und hohe Leistungsanforderungen an sich selbst, ein niedriges Selbstwertgefühl  und das generelle Überwiegen von negativen Gefühlen.

Bei Frauen gilt ein früher Eintritt der Pubertät als Risikofaktor für Essstörungen. Die in der Pupertät stattfindenden Hormonveränderungen machen den  Organismus empfindlicher, so dass es leichter zu einer Essstörung kommen kann. Bei einer sehr frühen Pupertät ist die seelische Entwicklung zudem oft noch nicht soweit, dass die Mädchen den Anforderungen der neuen Bedingungen gewachsen sind.

Was wäre bei Mädchen ein früher Pubertätseintritt?

Der Beginn der Pubertät hat sich bei Mädchen in den letzten 50 Jahren von ca. 13,5 Jahren auf das Alter von ca. 12 Jahren nach vorne verschoben. Von einer frühen Pubertät spricht man bei einem Beginn im Alter von 9 bis 10 Jahren.

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