Essstörungen Nahrungsmittel-Intoleranzen

Dr. Bernhard Osen, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik & Psychotherapie an der Schön Klinik Bad Bramstedt

Essstörungen: Symptome? Wie kommt es dazu? Wer ist gefährdet?

Nahrungsmittelunverträglichkeiten spielen häufig bei der Behandlung von Essstörungen eine Rolle. Wie äußern sich Essstörungen? Welche Rolle spielt die Genetik? Wer ist gefährdet? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Bernhard Osen, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik & Psychotherapie an der Schön Klinik Bad Bramstedt.

Herr Dr. Osen, wann spricht man von einer Essstörung?

Bei Essstörungen unterscheidet man zwischen Anorexie und Bulimie. Man spricht von Magersucht oder Anorexie, wenn jemand durch ein gestörtes Essverhalten Untergewicht absichtlich herbeiführt. Man bestimmt das Untergewicht mit dem Body Mass Index (BMI), der aus der Relation von Körpergewicht und Körpergröße gebildet wird. Untergewicht besteht bei einem BMI unter 17,5.

Wenn sich Patientinnen mit einer Magersucht, im Spiegel betrachten, nehmen Sie sich oft als „zu dick“ wahr, obwohl sie untergewichtig sind. Man nennt dies Körperschemastörung. Gleichzeitig kommt es zu massiven Ängsten vor einer schnellen und starken Gewichtszunahme, der sogenannten Gewichtsphobie. Diese Ängste führen dazu, dass hochkalorische Lebensmittel als bedrohlich wahrgenommen und deshalb aus dem Speiseplan verbannt werden. Gleichzeitig werden die Essensmengen reduziert. Manche Patientinnen versuchen zusätzlich durch exzessives Bewegungsverhalten oder den Gebrauch von Abführmitteln ihr Gewicht zu mindern.

Essstörungen können auch mit Normalgewicht einhergehen. Dies ist bei der Bulimie der Fall, die mit „Ess-Brech-Attacken“ einhergeht. Dabei versuchen die Betroffenen, ihr Gewicht möglichst niedrig zu halten, indem sie sich erbrechen oder andere drastische Maßnahmen zur Gewichtsreduktion ergreifen. Durch das Erbrechen kommt es allerdings kompensatorisch immer wieder zu Heißhungeranfällen, auf die dann wiederum mit Erbrechen reagiert wird. Die Patientinnen geraten so in einen Teufelskreis. Rutscht der BMI von Menschen mit einer Bulimie unter den Wert 17,5 spricht man von einer anorektischen Essstörung mit bulimischer Symptomatik.

Sowohl bei der Magersucht als auch bei der Bulimie drehen sich die Gedanken ständig um das Essen und das Selbstwertgefühl ist sehr stark an Figur und Gewicht gekoppelt.

Wie häufig kommt es zu Essstörungen?

Bei den 15 bis 35jährigen Mädchen liegt der Anteil anorektischer Essstörungen bei ca.0,5 Prozent, bei der Bulimie sind es ca. 1 Prozent. Im höheren Lebensalter treten Essstörungen weniger häufig auf.

2,5 Prozent bis 5 Prozent der jungen Frauen halten ihr Gewicht an der unteren Grenze während ihre Gedanken ständig um das  Essen kreisen bzw. um die Frage, wie sie ihr Mahlzeiten gestalten, um sich über das normale Maß hinaus schlank halten können. Dies erfüllt zwar nicht mehr alle Kriterien einer Essstörung, es handelt sich dabei aber auch nicht um ein normales Essverhalten. 90 Prozent der Patientinnen mit Essstörungen sind Frauen und nur 10 Prozent Männer. 

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