Nahrungsmittelallergie Mastzellenstabilisatoren

Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Ring, emer. Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München und Gründungs-Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie - Training und Edukation e. V.“ (AGATE)

Nahrungsmittelallergie: Wie können Mastzellenstabilisatoren helfen?

Sie sagten, dass Dinatriumcromoglycat prophylaktisch wirkt, was bedeutet das für die Einnahmeroutine des Patienten?

Zunächst bedeutet das für den Patienten, dass er das Dinatriumcromoglycat regelmäßig über ca. zwei bis drei Wochen einnehmen muss, damit es seine Wirkung entfalten kann. Die Einnahme sollte 4 Mal täglich, d.h. jeweils vor den Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen erfolgen.  

Das erfordert vom Patienten eine gewisse Disziplin. Ein Nahrungsmittelallergiker, der versteht, wie Dinatriumcromoglycat wirkt und der als aufgeklärter Patient weiß, dass er damit allergische Reaktionen verhindern kann und das mit so gut wie keinen Nebenwirkungen, wird diese Disziplin sicher gerne aufbringen. Erforderlich ist eine gute Aufklärung durch den Arzt, sowohl zum Wirkungsmechanismus als auch zur Anwendung von Dinatriumcromoglycat.

Warum haben Dinatriumcromoglycate so gut wie keine Nebenwirkungen?

Toyxikologisch gesehen wird das Dinatriumcromoglycat nicht resorbiert, sondern es legt sich lediglich über die Schleimhautoberfläche wie eine Art Schutzfilm und wird dann wieder abgebaut. Schlimme Nebenwirkungen sind nicht bekannt, und auch einer Einnahme über einen längeren Zeitraum hinweg steht nichts entgegen.

Die Histaminintoleranz ist keine allergisch bedingte Erkrankung, aber auch dabei spielt Histamin eine Rolle. Wirkt Dinatriumcromoglycat auch bei HIT?

Dazu fehlen belastbare Studien, bei der Histaminintoleranz ist ein Einsatz von DNCG aber denkbar. Es hemmt die Histaminfreisetzung, so dass auch weniger abgebaut werden muss. In der Vergangenheit wurde der Wirkstoff auch bei Mastozytose eingesetzt, d.h. bei Patienten die zu viele Mastzellen bzw. zu aktive Mastzellen haben. Der Wirkmechanismus ist immer der Gleiche – Mastzellen werden in ihrer Aktivität blockiert.

Sie hatten zu Beginn den anaphylaktischen Schock als das schlimmste Symptom einer Nahrungsmittelallergie erwähnt. Können Mastzellenblocker hier helfen?

Einen anaphylaktischen Schock wird man mit Dinatriumcromoglycat allein nicht verhindern können. Bei lebensbedrohlicher Allergie steht die Karenzempfehlung im Vordergrund.

Erdnussallergiker müssen das Erdnussallergen weiter meiden. Wenn ein Erdnussallergiker aber trotz Meidung auf kleinste Mengen reagiert, besteht die Möglichkeit, die Auswirkungen durch die Einnahme von Dinatriumcromoglycat „abzupuffern“. Auch hier gilt, dass wir dringend Studien benötigen, die diese Fragen untersuchen!

Herr Prof. Ring, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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