LMIV Allergiker

Sandra Strehle, "genuss punkt" Praxis für Ernährungstherapie in Gerstetten-Gussenstadt und Mitglied bei QUETHEB e.V.

Allergenkennzeichnung: LMIV – was kann man als Allergiker erwarten?

Eigentlich hatte die DEHOGA doch vor einigen Jahren die Initiative „Gute Gastgeber für Allergiker“ gestartet…

Im Vorwort der neusten DEHOGA-Broschüre, die aktuell ausgegeben wird, „Allergeninformation – Leitfaden für die Gastronomie“ steht:

„Wir sagen, gute Gastfreundschaft für Allergiker ist auch anders möglich, wie die Praxis in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen hat. Mit unserer 2008 erschienene Publikation ‚Gute Gastgeber für Allergiker‘ mit dem DAAB zusammen, haben wir aufgezeigt, wie man auch ohne schriftliche Kennzeichnung alle Gäste, selbst solche mit Allergien und Unverträglichkeiten, glücklich machen kann. Auf EU-Ebene wurde jedoch anders entschieden, leider. Dennoch ist es nun unsere Pflicht, sie jetzt so
korrekt, umfassend und praxisnah wie möglich zu informieren.“  

Aus meiner Sicht klingt hier sehr deutlich durch, dass der DEHOGA nicht hinter der Allergenkennzeichnung steht. Dies wird auch an folgendem Satz deutlich, der auch aus der besagten Broschüre stammt:

„Unser Ziel war es, auf EU-Ebene die neue bürokratische Belastung von unserer Branche abzuwehren. Das haben wir leider nicht geschafft“

Das bedeutet, dass der DEHOGA sich bei seinen Mitgliedern quasi dafür entschuldigt, dass er das „Unheil“ nicht verhindern konnte und dass man nun notgedrungen damit leben muss. Natürlich trägt diese Haltung nicht unbedingt dazu bei, dass es voran geht mit der Allergenkennzeichnung. Auch der Umsetzung des Themas in der Gastronomieausbildung ist dies nicht förderlich. Es kommt also noch viel Arbeit auf uns zu.

Dazu passt das Folgende: Aktuell findet, organisiert von unserer örtlichen IHK, eine kostenlose Infoveranstaltung für Gastronomen und Caterer zum Thema Allergenkennzeichnung statt. Der Referent ist der Leiter der örtlichen Lebensmittelkontrolleure, die ja dann für die Kontrolle der Betriebe verantwortlich sind. Aus QUETHEB-Sicht wäre es besser gewesen, entweder einen neutralen Referenten mit dem adäquaten Hintergrundwissen einzuladen, oder durchaus auch einen betroffenen Allergiker, der den Teilnehmern das Problem sicher ganz anders nahebringen könnte. Zwar wird das Thema Allergenkennzeichnung aufgegriffen, was ja an sich begrüßenswert ist, aber aus QUETHEB-Sicht macht man hier den Bock zum Gärtner. 

Kann man sich als Allergiker auf die LMIV verlassen oder sollte man Vorsicht walten lassen?

Nur Köche, Gastronomen, Hotelfachleute etc., die explizit geschult sind, sind in der Lage, eine gute und korrekte Auskunft zu den in den Produkten vorhandenen Allergenen zu geben. Das bedeutet, wir brauchen Personal, das sich seiner Verantwortung bewusst ist, und das haben wir momentan noch nicht flächendeckend.

Wir brauchen aber auch Allergiker, die sich zu erkennen geben und so dieses Personal fordern und unterstützen. Die Kunden müssen das Personal auf die Problematik hinweisen, indem sie deutlich sagen: „Ich habe dieses Problem, bitte teilen Sie der Küche mit, dass explizit darauf geachtet wird, dass das Allergen x nicht enthalten ist!“ Nur so werden die Gastronomen wachgerüttelt und merken, dass ein Bedarf da ist und dass es sich bei der Allergenkennzeichnung nicht nur um eine weitere bürokratische EU-Forderung handelt.

Ich komme selbst aus der Gastronomie, kenne die Hektik und den Stress und weiß, wie schwer es sein kann, die Allergenkennzeichnung  umzusetzen. Wenn die Küche weiß, dass ein Gast Allergiker ist, wird sie sich sicher bemühen, allergenfrei zu arbeiten bzw. eine Kontamination zu vermeiden.

Abschließend gesagt: Ich denke nicht, dass ein Allergiker sich im Moment darauf verlassen kann, was in der Speisekarte steht. Er sollte unbedingt persönlich nachhaken.

Von den Betroffenen hört man allerdings häufig, dass die Speisen trotz Hinweis nicht korrekt zubereitet werden …

Deshalb muss das Personal geschult werden und deshalb denke ich, dass wir die Umsetzung der Allergenverordnung in Deutschland ohne eine Schulungsverpflichtung nicht in den Griff bekommen werden. Eine Schulungsverpflichtung ist in der aktuellen VorILMIEV jedoch nicht enthalten.

Würde eine Schulungsverpflichtung in nationales Recht übernommen, wäre dies der Sache dienlicher. Z.B. hat Österreich diese Schulungsverpflichtung in ihre nationale Richtlinie aufgenommen. Ab in Kraft treten der Richtlinie haben die Betriebe ein Jahr Zeit, dies umzusetzen und müssen dann nachweisen, dass sie geschult sind. Es hat sich gezeigt, dass die Umsetzung der Allergenrichtlinie in „geschulten Betrieben“ ausgesprochen gut funktioniert. Selbst die Spülkräfte wissen in solchen Betrieben Bescheid.

Wie sieht es denn mit der Umsetzung der Allergenkennzeichnung bei Bäckern, Metzgern, Supermärkten etc. aus?

Die großen Supermarktketten wie Edeka, Rewe etc. haben seit Januar große Kladden oder Ordner an ihren Theken angebracht und sprechen die Kunden mit Aufstellern auf die Allergenkennzeichnung darauf hin. In Bäckereien, Metzgereien etc. ist die Allergenkennzeichnung überwiegend noch nicht angekommen. Gäbe es eine Schulungspflicht, hätten wir dieses Problem nicht.

Frau Strehle, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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