Nahrungsmittelallergien Anaphylaxie

PD Dr. Katharina Blümchen, Oberärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, pädiatrische Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose am Universitätsklinikum Frankfurt

2. Frankfurter Pädiatrietag: Nahrungsmittelallergien und Anaphylaxie

Das Notfallset – was gehört dazu und wer braucht es?

Ein Notfallset besteht aus einem Adrenalin-Autoinjektor, eventuell einem kurzwirksamen Beta-2-Mimetikum (je nach Einschärtzung des behandelnden Arztes), einem Antihistaminikum, einem Steroid (Kortison) und einem Anaphylaxie-Pass. Das Mitführen eines solchen Notfall-Sets ist immer dann angeraten, wenn das auslösende Allergen für eine anaphylaktische Reaktion noch nicht feststeht.

Auch Patienten mit einer systemischen Nuss-Erdnuss- oder Sesamallergie, mit schweren Reaktionen auf kleinste Allergenmengen, sowie mit einer systemischen Nahrungsmittelallergie und einem vorbestehendem Asthma Bronchiale, sollten ein Notfallset mit sich führen. Wichtig für die Eltern: Das Adrenalin ist der wichtigste Teil des Notfall Sets, denn es wirkt innerhalb von 8 bis 10 Minuten. Und: Eine Anaphylaxieschulung nach AGATE hilft Eltern, Kindern und Kontaktpersonen im Notfall dabei, das Notfallset richtig anzuwenden und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Impfungen bei Hühnerei Allergikern – geht das?

Wurde bei einem Kind eine Hühnerei Allergie festgestellt, besteht oft die Sorge, manche Impfungen, z.B. Masern und Mumps, die Hühnerei-Proteine enthalten, seien nicht möglich. Dass diese Angst unbegründet ist, betonte PD Dr. Blümchen: „Eine Studie an 500 Kindern hat gezeigt, dass nach der MMRV-Impfung (Mumps-Masern-Röteln-Varizellen), trotz gesicherter Hühnerei Allergie, keine wesentlichen Reaktionen auftraten.“ Ausschließlich Kinder mit schwersten allergischen Reaktionen auf geringste Mengen Hühnerei sollten in einer Spezialklinik unter Aufsicht MMRV-geimpft werden. Alle anderen Kinder mit Hühnerei Allergie können problemlos in der Kinderarztpraxis MMRV geimpft werden. „Auf keinen Fall sollten Eltern das Risiko eingehen, ihre Kinder ungeimpft zu lassen“ so PD Dr. Blümchen. 

Allergieprävention bei atopischen Eltern?

Wenn ein Elternteil unter Allergien leidet oder eines der Kinder bereits eine Allergie entwickelt hat, stellen sich Eltern häufig die Frage, wie sie bei einem zukünftigen Kind Allergien verhindern können. Zur Frage der Allergie Prävention gibt es eine Reihe von Studien, deren Ergebnisse sich wie folgt zusammenfassen lassen:

Allgemeine Empfehlungen bei Allergie-Hochrisikokindern vor der Geburt:

  • Keine diätetische Restriktion bzgl. der Ernährung der Mutter in Schwangerschaft und Stillzeit
  • Fisch sollte Bestandteil der Ernährung der Mutter sein
  • Das Kind sollte möglichst nicht durch Kaiserschnitt zur Welt kommen

Allgemeine Empfehlungen bei Allergie-Hochrisikokindern nach der Geburt:

  • Das Kind sollte in den ersten vier Monaten voll gestillt werden
  • Kann die Mutter nicht stillen, sollten in den ersten Lebensmonaten hydrolisierte Babynahrungen (HA-Nahrungen) gegeben werden
  • Keine verzögerte Beikost-Einführung beim Kind
  • Keine Meidung von potenten Nahrungsmittelallergenen in Beikost
  • Fisch sollte Bestandteil der Beikost-Einführung des Kindes sein
  • Übergewicht meiden
  • Keine Katze anschaffen
  • Meidung von Schimmelpilzwachstum
  • Keine Meidung von Hausstaubmilben
  • Meiden von Tabakrauch
  • Meiden von Innenraumschadstoffen
  • Meiden von Kfz-Emissionen
  • Impfen nach den Empfehlungen der ständigen Impfkommission (STIKO)

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