Angst Essen Intoleranzen

Dipl. oec. troph. Sonja M. Mannhardt, Gesundheitsmanagement, Schliengen

Angst vor dem Essen: Warum und für wen könnte das gefährlich werden?

Nach der Diagnoseallergische oder nicht-allergische Nahrungsmittelunverträglichkeiten“ sehen die Betroffenen die Nahrungsaufnahme plötzlich mit anderen Augen. Sie können nicht mehr sorglos alles essen, was auf dem Teller ist oder was im Restaurant auf der Karte steht. Beim Einkaufen ist der Blick auf die Zutatenliste eine Notwendigkeit. Aber auch dann, wenn eine Diagnose noch nicht eindeutig feststeht, kann der Verdacht aufkommen, die Nahrung sei schuld an bestimmten Beschwerden. Führt dies zu extremen Verhaltensänderungen, kann die vermeintliche „Problemlösung“ Teil des Problems werden, eine fatale Entwicklung. MeinAllergiePortal sprach mit Dipl. oec. troph. Sonja M. Mannhardt, Gesundheitsmanagement, Schliengen über die Angst vor dem Essen.

Frau Mannhardt, wie häufig begegnen Ihnen in Ihrer Praxis Menschen, die Angst vor dem Essen entwickelt haben?

Ich würde mal sagen, mindestens einmal die Woche. Es sind dies vor allem besorgte Mütter, oder erwachsene Frauen. Männer kommen nicht sichtbar mit einer Angst, sondern mit einem riesigen Fragenkatalog in die Beratungen. Sie wünschen sich Sicherheit durch Information.

Wer ist von der Angst vor dem Essen ganz besonders betroffen?

Ich finde diese Angst etwas „Falsches“ zu Essen insbesondere bei Menschen, die zwar unspezifische Symptome haben, bei denen aber noch keine verlässliche Diagnose gestellt wurde. Auch Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten neigen dazu, sich vor falschem Essen zu fürchten, obwohl die Symptomatik deutlich ungefährlicher ist, als bei echten Nahrungsmittelallergien.

Leidet ein Kind an einer Nahrungsmittelallergie und kam es bereits zu systemischen Reaktionen, sehe ich insbesondere ängstliche Mütter, die in der Praxis vorsprechen, um „ja nichts falsch“ zu machen. Dasselbe Phänomen sehe ich bei Kindern mit Neurodermitis, die noch nicht einmal auf Nahrungsmittel reagieren müssen, um bei der Mutter Angst auszulösen, in punkto Ernährung „etwas falsch“ zu machen.

Was ich jedoch auch schon erlebt habe, ist eine zunehmende Ängstlichkeit bei echten Nahrungsmittelallergikern. Sie kommen in die Praxis, weil sie immer mehr ihren Speiseplan einschränken und der Arzt sich sorgt. Es wird alles weggelassen und bei allen Speisen auf Spurensuche gegangen. Nichts kann diese Menschen beruhigen, noch nicht einmal aktuelle Studien oder Leitlinien, die besagen, dass für die meisten Nahrungsmittelallergien (außer Walnuss, Erdnuss, Fisch) nach ein- bis zweijähriger Allergenkarenz eine Reexposition erwogen werden kann, da es die Möglichkeit der spontanen Toleranzentwicklung gibt. Kleinste Spuren dienen dabei sozusagen als „Impfung“. Wenn es nicht möglich ist, diesen Menschen in 4 bis 5 Beratungseinheiten die Angst vor den  Allergenspuren zu nehmen und ihren Speiseplan deutlich zu erweitern, hilft meist nur eine Hospitation, um stationär zu provozieren und den Speiseplan zu erweitern.

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