Hysterie-Hypothese Nahrungsmittelintoleranzen

Dr. Imke Reese, Ernährungsberatung und -therapie, Schwerpunkt Allergologie in München

Nahrungsmittel-Intoleranz - was ist dran, an der Hysterie-Hypothese?

Welche Möglichkeiten gibt es, eine gestörte Barrierefunktion des Darms zu therapieren?

Nach wie vor stellen der gesamte Darm und seine Funktion noch eine „Black Box“ dar. Inzwischen können wir zwar bestens analysieren, welche Bakterien in uns leben, aber wie das zu interpretieren ist, wissen wir nicht in vollem Umfang. Ebenso ist es oft nicht klar was zu tun ist, wenn sich die Zusammensetzung dieser Bakterien ändert, ob man überhaupt etwas dagegen tun kann. Es gibt auch noch keine gut in der täglichen Praxis etablierten Tests, mit denen man die gestörte Darmbarriere nachweisen könnte.

Aber: Wenn man bei der Ernährung auf bestimmte Dinge achtet, regeneriert sich der Körper auch wieder. Zu einer funktionierenden Verdauung gehört z.B. eine ausreichend lange Verdauungszeit. Auch ein durch den Verzehr von Ballaststoffen störungsfreier Transport des Speisebreis, indem man vermehrt Gemüse einführt, ist eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Verdauung. Die richtige Mischung herauszufinden ist nach wie vor „Trial & Error“. In der Ernährungstherapie arbeiten wir deshalb ganz eng an Ernährungsprotokollen. Dadurch sehen wir, was genau die Probleme verursacht und versuchen den Weg zu einem beschwerdefreien Leben zu bahnen.

Anders als bei einem Medikament, das man einfach einnimmt um Beschwerdefreiheit zu erzielen, ist die Ernährungstherapie keine schnelle Lösung und braucht eine gewisse Zeit. Oft liegen den Bauchbeschwerden eingefahrene Vorlieben zugrunde, d.h. der Patient muss eventuell bevorzugte Nahrungsmittel gegen andere, bekömmlichere eintauschen, und das ist nicht so leicht.

Wie finden Patienten heraus, ob ihre Beschwerden von Nahrungsmitteln verursacht werden oder ob etwas anderes dahinter steckt?

Wie gesagt arbeiten Ernährungsfachkräfte mit Protokollen, mit denen sich nicht nur die Nahrungsaufnahme erfassen lässt, sondern auch Lifestylefaktoren. Wenn man für eine gewisse Zeit seine gesamte Lebensführung, inkl. der Ess- und Schlafgewohnheiten und Stressfaktoren dokumentiert, sieht man häufig schon mögliche Einflussfaktoren. Wenn man dabei Unterstützung benötigt, kann man auf den Arbeitskreis Diätetik in der Allergologie (www.ak-dida.de) und das Netzwerk des Deutschen Allergie und Asthmabundes (www.daab.de) zurückgreifen, um allergologisch versierte Ernährungsfachkräfte in seiner näheren Umgebung zu finden.

Auch wenn Lifestyle-Faktoren die Auslöser für Beschwerden sind, ist es sinnvoll eine Ernährungsfachkraft zu Rate zu ziehen?

Ich würde diese Faktoren immer gemeinsam betrachten. Es kann auch ein Teil des Lifestyles sein, das Essen häufig zu vergessen, oder sehr unregelmäßig zu essen. Viele lassen immer wieder Mahlzeiten aus und essen dann dafür später die vielfache Menge. Auch durch ein ungünstiges Essverhalten kann es zu Beschwerden kommen und dann wäre eher das Verhalten die Ursache und  nicht eine Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Kommt es in Ihrer Praxis häufig vor, dass nicht eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, sondern eine andere Ursache die Beschwerden des Patienten verursacht?

In meiner Praxis ist es ein häufiges Phänomen, dass Patienten mit dem konkreten Verdacht kommen, ein bestimmtes Nahrungsmittel nicht zu vertragen. Oft stellt sich dann heraus, dass diese Patienten mit einer Umstellung der Essgewohnheiten, d.h. „wie sie essen“, eine gute Lebensqualität erreichen können.

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