Hysterie-Hypothese Nahrungsmittelintoleranzen

Dr. Imke Reese, Ernährungsberatung und -therapie, Schwerpunkt Allergologie in München

Nahrungsmittel-Intoleranz - was ist dran, an der Hysterie-Hypothese?

Oft werden Nahrungsmittelunverträglichkeiten mit psychischen Problemen oder mit der Tatsache, dass Nahrungsmittelintoleranzen „en vogue“ sind, in Verbindung gebracht. Sehen Sie diese Zusammenhänge in Ihrer Praxis?

Die meisten Nahrungsmittelunverträglichkeiten lassen sich sehr gut nachweisen. Dies gilt für allergisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeiten, aber auch für nicht allergisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Zur Diagnose der Laktoseintoleranz und der Frukosemalabsorption gibt es z.B. den H2-Atemtest und auch die Zöliakie ist nachweisbar.

Nicht nachweisbar sind die Histaminintoleranz oder die in letzter Zeit vieldiskutierte Glutensensitivität. Die Frage ist aber: Gibt es die Krankheitsbilder in dieser Form überhaupt, oder stecken andere Ursachen hinter den Beschwerden?

Was könnte Beschwerden verursachen, wie sie z.B. für die Histaminintoleranz beschrieben werden?

Oft lässt sich bei Patienten, die nach histaminreichen Mahlzeiten die Symptome einer Histaminintoleranz beschreiben, eine Störung der Darmbarriere vermuten. D.h., dass die Darmwand ihre Barrierefunktion nicht in vollem Maße erfüllt und es zu einer Durchlässigkeit des Darms kommt. So wird die Aufnahme von Histamin ermöglicht, denn eigentlich sollte das Histamin durch das im Darm befindliche abbauende Enzym Diaminoxidase im Darm selbst abgebaut und damit unschädlich gemacht werden.

Was weiß man über die Barrierefunktion des Darms?

Die Darmbarriere ist ein sehr komplexes und vielfältiges Abwehrsystem. Dabei spielen z.B. chemische und physikalische Vorgänge eine Rolle. Aber auch die Schleimschicht des Darms und die Frage, wie nahe die Bakterien der Darmwand kommen, sind für die Barrierefunktion des Darms relevant. Zudem findet man in der Darmschleimhaut IgA-Antikörper, die die Darmbarriere stabilisieren und Krankheitserreger abfangen.

Häufig berichten Patienten von Darm-Problemen nach Antibiotikaeinnahme oder nach sehr schweren Darminfekten. Das zeigt, dass die Darmwand durch diese Vorgänge geschädigt wird, die Barrierefunktion leidet und der Darm sich regelrecht „erholen“ muss. Dementsprechend sind diese Beschwerden oft nur passager, d.h. sie bestehen nur für eine gewisse Zeit.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.