Nahrungsmittelintoleranzen Fertigprodukte

Univ.-Prof. Dr. Ludwig Kramer, Abteilungsvorstand der 1. Medizinischen Abteilung mit Gastroenterologie und mit Ambulanz am Krankenhaus Hietzing in Wien

Nahrungsmittelintoleranzen: Könnten Fertigprodukte eine Rolle spielen?

Gibt es weitere in Fertigprodukten verwendete Zusatzstoffe, die zu Magen-Darm-Beschwerden führen können?

Zu den Zusatzstoffen, die in Fertigprodukten eingesetzt werden und die zu Problemen führen können, gehören auch die Präbiotika. Präbiotika sind schwerlösliche Kohlenhydrat-Ketten, die auch in den meisten natürlichen Nahrungsmitteln vorkommen. Dazu gehören Zellulose, Pektine, verschiedene Zuckerarten. Man weiß, dass sich mit dem Anteil der Präbiotika in der Nahrung auch die mikrobielle Flora des Darms verändert. Deshalb werden Präbiotika z.T. gezielt eingesetzt, um die mikrobielle Flora des Darms zu modulieren, d.h. bestimmte günstige Darmkeime zu selektieren. Man weiß jedoch aktuell noch nicht genau, welche Darmkeime wirklich günstig sind.

Präbiotika werden von der Lebensmittelindustrie als Stabilisatoren und als Füllstoff eingesetzt. Ein Beispiel dafür ist das Carrageen. Carrageen wird als Geliermittel in Marmeladen und Konfitüren, in Wurstwaren, Babynahrung oder kalorienreduzierten Produkten verwendet. Da Carrageen aus Rotalgen gewonnen wird, gilt es als Naturprodukt obwohl es, verglichen mit seinem Ursprungszustand, in deutlich veränderter Form eingesetzt wird.

Im Zuge des Verdauungsvorgangs können nicht alle präbiotischen Stoffe im Dünndarm verarbeitet werden, ein Teil kommt im Dickdarm, dem „Bioreaktor“ des Darmes an, wird dort bakteriell abgebaut und verursacht Probleme. Damit können auch Präbiotika die Ursache sein, wenn es zu Bauchbeschwerden kommt, der Nachweis ist jedoch schwierig.

Ein weiterer Zusatzstoff, der zu Unverträglichkeitssymptomen führen kann, ist Xanthan, ein Polysaccharid, das in vielen Lebensmitteln vorkommt. Es wird als Lebensmittelzusatzstoff zur Verdickung oder als Geliermittel eingesetzt. Xanthan ist durch Bakterien spaltbar und ähnlich wie dies z.B. bei der Laktose der Fall ist, kann es dadurch zu Bauchbeschwerden kommen.
Insgesamt gibt es eine Vielzahl von Stoffen, die man durch den Verzehr von Fertigprodukten zu sich nehmen kann und die Unverträglichkeitssymptome verursachen können. Es ist deshalb durchaus möglich, dass Patienten sich auf eine vermeintliche Histaminintoleranz konzentrieren und versuchen Histamin zu meiden, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass ihre Beschwerde auch von Zusatzstoffen ausgelöst werden können.

Das heißt also, man sollte möglichst unverarbeitete Lebensmittel zu sich nehmen?

So pauschal kann man das nicht sagen. Z.B. ist Obst sehr häufig mit Lösungsvermittlern behandelt  oder mit konservierenden Schichten überzogen. Mittlerweile gibt es deshalb bereits Empfehlungen, das Obst grundsätzlich zu schälen.

Abgesehen von Fertigprodukten, was kann noch zu Verdauungsbeschwerden führen?  

Es gibt Medikamente, die Magen-Darm-Störungen verursachen können, weil sie eine Fehlbesiedlung des Darmes hervorrufen können. Zu solchen Fehlbesiedlungen kommt es normalerweise entweder genetisch bedingt, durch Umwelteinflüsse oder aufgrund stark veränderter Ernährungsgewohnheiten - man nennt das intestinale Dyspiose. Auch bei Patienten, die am Darm oder am Magen operiert wurden, kann es in gewissen Darmabschnitten zu Überwucherungen durch bestimmte Keime kommen. Die zu starke Vermehrung bestimmter Bakterien führt zu Problemen, u.a. zu Durchfällen.

Es gibt aber auch Medikamente, deren Einnahme zu Störungen der Bakterienzusammensetzung im Darm führen kann. Dazu gehören z.B. sogenannte Protonenpumpenblocker, die bei Magenverstimmungen oder Reflux gerne genommen werden und zu Störungen im Verdauungsbereich führen können. Oft werden diese Medikamente sogar prophylaktisch angewendet, ohne dass dies wirklich nötig wäre. Dies ist ein Phänomen, an dem die Bewerbung dieser Produkte im Sinne eines „Magenschutzes“, der aber gar nicht existiert, nicht unschuldig ist. Das Fatale daran: Viele Menschen nehmen diese Protonenpumpenblocker um ihrem Magen „etwas Gutes“ zu tun über lange Zeiträume ein. Dadurch reduziert sich die Magensäure und es wird möglich, dass bestimmte Bakterien sich im Dünndarm stärker vermehren und Beschwerden verursachen.

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