Nahrungsmittelintoleranzen Fertigprodukte

Univ.-Prof. Dr. Ludwig Kramer, Abteilungsvorstand der 1. Medizinischen Abteilung mit Gastroenterologie und mit Ambulanz am Krankenhaus Hietzing in Wien

Nahrungsmittelintoleranzen: Könnten Fertigprodukte eine Rolle spielen?

Gibt es neben den Kohlenhydraten weitere in Fertigprodukten enthaltene Substanzen, die Unverträglichkeitssymptome auslösen können?

Es gibt unter den Zusatzstoffen oberflächenaktive Substanzen, die zu den Emulgatoren gehören, aber auch als Füllstoff Verwendung finden. Diese Emulgatoren werden in Aufback-Fertigbackwaren eingesetzt, die man sowohl in den Back-Shops als auch für den Hausgebrauch kaufen kann. Sie sorgen dafür, dass sich der Teig gut zu einer homogenen Masse verbindet und nicht in seine Bestandteile zerfällt.

Möglicherweise haben diese Emulgatoren jedoch auch einen Effekt auf die Darmbarriere. Dabei ist wichtig zu wissen, dass die Darmbarriere aus zwei Komponenten besteht: 1. Eine nicht zerstörbare relative dicke Schicht, die direkt mit der Schleimhaut verbunden ist und 2. Eine variable Schleimhaut, die nur 200 und 1.000 μm dick ist und die durch oberflächenaktive Substanzen angreifbar ist. Man vermutet, dass sich oberflächenaktive Substanzen auf die variable Mukusschicht bzw. Schleimschicht im Darm, die zwischen Epithel und Stuhl eine Trennschicht bildet, auswirken und zu einer Verminderung der Schleimschicht führen können.2)

Schichten der Darmbarriere

Gute Daten gibt es zu Carboxymethylcellulosen (CMC), einem farblosen und geruchlosen Zusatz, der in Fleischprodukten, Backwaren, Fertiggerichten etc. eingesetzt wird. In Tierversuchen hat sich gezeigt, dass Mäuse, die genetisch bedingt zu Darmentzündungen neigen, eine Morbus Crohn-artige Erkrankung entwickeln, wenn ihr Trinkwasser 4 Prozent  Carboxymethylcellulosen enthält. Das zeigt: Carboxymethylcellulosen sind aktive Substanzen, die bei genetischem Risiko eine Wirkung entfalten können.

Wenn man zu Carboxymethylcellulose gute Daten hat, bedeutet das, dass es zu anderen Zusatzstoffen keine Daten gibt?

Zu vielen Zusatzstoffen und Chemikalien gibt es keine Untersuchungen. Das Problem ist, dass es sehr viele zugelassene Zusatzstoffe gibt, aber nur wenige Untersuchungen zu deren Verträglichkeit. Mit der REACH-Verordnung hat die EU den Versuch unternommen, die Industrie zu einer Selbstkontrolle zu führen. Viel bewirkt hat man damit allerdings nicht.

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