Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Dr. Markus Wenzel, Oberarzt am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg

Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten: Unterschiede, Diagnosen, Therapien!

Gibt es zur Behandlung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, neben der Meidung weitere Maßnahmen?

Zunächst ist in der Tat die Meidung des unverträglichen Nahrungsmittels die wichtigste Maßnahme. Wichtig ist auch die Aufklärung des Patienten durch eine qualifizierte Ernährungsberatung. Die Dauer der Karenz kann sehr unterschiedlich sein, dies schwankt zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten. Bei der Fruktosemalabsorption z.B. kann und soll der Patient nach drei bis vier Wochen Karenz  langsam wieder damit beginnen, damit der Transportmechanismus nicht „einschläft“. Anders ist dies bei der Zöliakie. Hier müssen die Patienten lebenslang auf Gluten verzichten. Bei einer sogenannten Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität ist wahrscheinlich eine glutenarme Kost nur zeitlich begrenzt erforderlich, häufig ist dabei auch nur Weizenmehl unverträglich.

Gibt es neben der entsprechenden Ernährungsumstellung Maßnahmen, die man ergreifen kann?

Je nach Erkrankung gibt es schon Möglichkeiten, die man ausprobieren kann. Bei der Histaminintoleranz wären das z.B. Präparate, die das Enzym DAO (DiAminoOxidase) enthalten. Da die Histaminintoleranz jedoch auf verschiedenen Wegen zustande kommen kann, wirken diese Präparate nicht bei allen Patienten. Auch für Menschen mit Laktoseintoleranz gibt es Enzympräparatem, die Laktase enthalten und die man bei Bedarf, d.h. vor dem Verzehr laktosehaltiger Mahlzeiten, einnehmen kann. Für kleinere Laktosemengen funktioniert das meist recht gut.

Ganz wichtig ist es, schädliche Einflüsse durch Medikamente zu vermeiden – dies gilt besonders für die Schmerzmittel. Nimmt ein Patient, z.B. aufgrund rheumatischer Erkrankungen oder Migräne regelmäßig Wirkstoffe wie z.B. Diclofenac zu sich, ruft er damit eine vermehrte Darmverletzlichkeit hervor. In manchen Fällen hören die Beschwerden der Patienten auf, wenn sie diese Mittel nicht mehr einnehmen.  Auch andere Triggerfaktoren spielen bei der Ausbildung von Symptomen oft eine zusätzliche Rolle, z.B. körperliche Belastung, Alkohol, Hormonschwankungen etc…

Letztendlich ist die einzige funktionierende Maßnahme, dass der Patient genau weiß, welche Nahrungsmittel er verträgt, welche nicht, und wo sich die unverträglichen Stoffe verstecken können.

Herr Dr. Wenzel, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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