Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Dr. Markus Wenzel, Oberarzt am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg

Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten: Unterschiede, Diagnosen, Therapien!

Kommen die Patienten in jedem Fall für einige Tage in Ihre Klinik?

Das hängt vom Krankheitsbild bzw. den Symptomen ab. Stehen nicht gefährliche Beschwerden im Fokus, erfolgen die Untersuchungen zunächst soweit machbar ambulant. Geht es aber um Asthma oder um anaphylaktische Reaktionen, ist ein stationärer Aufenthalt erforderlich.

Manchmal kommen die Patienten jedoch mit sehr unspezifischen Angaben und sagen z.B. „Ich vertrage überhaupt nichts mehr!“ In diesen Fällen starten wir ambulant mit einer kleinen Basisaufbaukost, bestehend aus Reis, Kartoffeln, Nudeln, Möhren, Hühnchenfleisch etc. um den Patienten zunächst in einen relativ beschwerdefreien Zustand zu versetzen, der es ihm erlaubt, den Unterschied zu einer positiven Testung zu erkennen. Bessern sich die Beschwerden unter dieser Diät nicht, bitten wir die niedergelassenen Fachärzte darum zu untersuchen, ob eine akute Colitis, ein akutes Magengeschwür oder andere Magen-Darm-Erkrankungen vorliegen.

Auch Allergietests wie die nasale Provokation bei Verdacht auf Heuschnupfen lassen sich ambulant durchführen. Auch Hauttestungen und Bluttests werden ambulant durchgeführt und können zusätzliche Hinweise geben.

Wichtig ist insbesondere im Hinblick auf die allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Beide Tests zeigen lediglich eine Sensibilisierung an, d.h. die Antikörperentstehung auf bestimmte Allergene durch früheren Kontakt mit der Substanz! Das heißt aber nicht, dass eine Sensibilisierung mit einer Allergie gleichzusetzen ist. Das ist erst der Fall, wenn auch klinische Krankheitssymptome bei Kontakt entstehen. Es kann also z.B. sein, dass ein Patient zahlreiche Sensibilisierungen hat, die aber alle ohne klinische Relevanz sind, d.h. bei Einnahme symptomlos bleiben und seine Beschwerden ganz andere Gründe haben, z.B. eine Laktoseintoleranz.

Geht es aber um eine orale Provokation zur Diagnose allergischer Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist eine stationäre Aufnahme aus Sicherheitsgründen angeraten. Der Patient kommt dann nach einer gewissen Karenz durch allergenarme Kost für einige Tage in die Klinik. Grundsätzlich gilt aber: Ambulant vor stationär!

Es gibt ja auch Tests zur Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die im Internet angeboten werden…

Diese Angebote sind nicht empfehlenswert. Oft heißt es in der Werbung: „Haben Sie eine Nahrungsmittelallergie? Schicken Sie uns zwei Röhrchen Blut und wir bestimmen für Sie Ihre IgG4-Antikörper für 180 Nahrungsmittel!“ Mit diesen Tests lässt sich das Vorhandensein von Sensibilisierungen aber keinesfalls bestimmen, denn dafür benötigt man einen IgE-Test. IgG-Tests hingegen weisen lediglich die IgG-Antikörper im Blut nach, die auch bei ganz gesunden Menschen gegen Nahrungsmittel gebildet werden und kaum zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten führen können. Diese Tests machen gesunde Menschen zu Allergikern!

Zu uns kommen mindestens zwei Patienten pro Monat, die nach solchen Listen Diät halten. Oft halten sich die Patienten bereits seit Jahren an diese Diäten, sind mangelernährt und leiden oft bereits an einer Anämie.

Zurück zu den Zusatzstoffen: Führen Sie bei Verdacht auf Zusatzstoff-Unverträglichkeit dennoch H2-Atemtests durch?

Ja, das tun wir, denn man muss bei der Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten ja die Wahrscheinlichkeiten zugrunde legen. Auch Patienten, die ihre Reaktionen auf die Nahrungsmittel sehr aufmerksam beobachten, können manchmal nicht erkennen, ob sie z.B. in Kontakt mit Laktose gekommen sind. Manche Patienten essen gar keine Milchprodukte und glauben deshalb, ihre Beschwerden könnten keinesfalls auf Laktose zurückzuführen sein. Laktose ist aber in Fertigprodukten häufig enthalten, ohne dass die Verbraucher es bemerken. Dies gilt übrigens auch für Fruktose und wer hat im Alltag schon die Zeit, sich sämtliche Zutatenlisten im Detail durchzulesen. Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist es deshalb immer sinnvoll, mit frischen Zutaten  selbst zu kochen – man weiß dann, was drin ist!

Manchmal ist bei Beschwerden auch ein Glucose-H2-Atemtest zum Ausschluß einer bakteriellen Fehlbesiedlung des oberen Dünndarms hilfreich.

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