Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Dr. Markus Wenzel, Oberarzt am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg

Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten: Unterschiede, Diagnosen, Therapien!

Zurück zu den Zusatzstoffen: Wie häufig sind aus Ihrer Sicht denn Unverträglichkeiten von Zusatzstoffen?

Eine isolierte relevante Unverträglichkeit von Zusatzstoffen, eine sogenannte Pseudoallergie, findet man selten. Deshalb steht die Diagnose „Pseudoallergie“ auch manchmal in Verdacht, eine Art „Verlegenheitsdiagnose“ zu sein, die man stellt, wenn man nicht wirklich etwas Substantielles findet.

Zudem sind viele Verbraucher misstrauisch gegenüber Zusatzstoffen, weil man sie nicht so gut einschätzen kann und man sie in den Lebensmitteln ja auch nicht sieht, schmeckt oder riecht. Deshalb geraten die Zusatzstoffe oft in Verdacht, der Auslöser von Beschwerden im Magen-Darm-Bereich zu sein. Bei der Diskussion um Zusatzstoffe gibt es schon eine emotionale Komponente.

Bei Schimmelpilzen kann man ein ähnliches Phänomen beobachten. Auch hier entsteht leicht die Vermutung, dass sie schuld an Beschwerden der Atemwege sind, obwohl das nicht so häufig der Fall ist. Dies ist auch allein schon an der immensen Zahl an Internetforen zu Schimmelpilzen abzulesen.

Andererseits finden wir bei unseren Nahrungsmittelprovokationen in manchen Fällen schon deutliche Hinweise auf Zusatzstoffunverträglichkeiten, oft auch in Verbindung mit echten Allergien. Beginnt der Patient dann eine zusatzstofffreie Diät, berichtet er in der Regel  von einer Besserung der Beschwerden.

Tröstlich ist in Bezug auf die Zusatzstoffunverträglichkeit, dass es erstens so gut wie nie zu schweren allergischen Reaktionen kommt und zweitens die Beschwerden mengenabhängig sind sodaß das Meiden von „Spuren“ nicht erforderlich ist.

Können Sie denn mit der oralen Provokation ermitteln, auf welchen Zusatzstoff der Patient unverträglich reagiert?

Es gibt unzählige Zusatzstoffe und die häufigsten Farbstoffe, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker haben wir als Testsubstanz in Kapselform vorrätig. Ein Hauttest, der das IgE in der Haut nachweist, wäre in diesem Fall nicht sinnvoll, denn eine Pseudoallergie auf Zusatzstoffe ist ja keine IgE-vermittelte Reaktion. Wir testen bei der Provokation die wichtigsten Zusatzstoffe deshalb in Kapselform und an getrennten Tagen. Nicht testbar sind Aromastoffe und Zitronensäure, hier gibt es nach unserer Kenntnis keine standardisierten Testverfahren.

Wie sieht denn die Behandlung aus, wenn Sie eine Pseudoallergie auf Zusatzstoffe diagnostizieren?

Wenn feststeht, dass eine Unverträglichkeit von Zusatzstoffen besteht, steht Karenz an erster Stelle. Zur Karenz gehört die Aufklärung. Deshalb informieren wir die Patienten über die zu meidenden E-Nummern und das Vorkommen dieser Zusatzstoffe in Fertigprodukten. Außerdem verordnen wir immer eine ernährungstherapeutische Beratung. Meist reichen dafür vier Beratungsgespräche, die meist auch zumindest anteilig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

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