Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Dr. Markus Wenzel, Oberarzt am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg

Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten: Unterschiede, Diagnosen, Therapien!

Kann man sagen, dass die allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten häufiger bei Kindern auftreten und die nicht-allergischen eher bei Erwachsenen?

Die klassischen Allergien auf Kuhmilch, Hühnereiweiß oder Weizen sind im Kleinkindalter oder Schulalter häufig. Dies gilt auch für die Glutenunverträglichkeit, d.h. die Zöliakie.

So scharf trennen lässt sich das aber nicht. Auch Kinder können schon sehr früh eine Laktoseintoleranz entwickeln, also eine nicht-allergische Nahrungsmittelunverträglichkeit und es gibt auch Erwachsene, die plötzlich eine Allergie gegen Kuhmilcheiweiß bekommen. Man muss deshalb bei der Diagnose grundsätzlich alle Optionen überprüfen, z.B. auch die Histaminunverträglichkeit oder die Unverträglichkeit von Zusatzstoffen.

Gerade bei der Histaminunverträglichkeit sind die Symptome von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Manche Patienten bekommen Bauchschmerzen, andere Juckreiz und Hautrötungen und andere klagen über bronchiale Verschleimung oder über Kreislaufreaktionen wie Herzrasen, zu niedriger oder zu hoher Blutdruck.

Die Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist nicht so leicht, wie gehen Sie vor, wenn sie Nahrungsmittelunverträglichkeiten vermuten?

Zu 90 Prozent besteht die Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten in der Anamnese, d.h. im Gespräch mit dem Patienten. Wichtig ist dabei sehr viel Zeit und dass der Patient seine Symptome wirklich sehr gut beobachtet hat und die Fragen auch gut beantworten kann. Dafür ist es natürlich gut, wenn das Auftreten der Symptome nicht so weit zurückliegt, dass der Patient sich kaum noch daran erinnern kann. Oft hilft das Führen eines Ernährungstagebuches über 1 bis 2 Wochen, um weitere Informationen zu erhalten.

Kann der Patient nur wenige  Hinweise geben und konzentrieren sich die Beschwerden auf den Magen-Darm-Bereich, würde man die häufigsten Erkrankungen, wie die Unverträglichkeit von Laktose und Fruktose, testen. Ferner würde man dem Patienten für zwei Wochen eine allergenarme histaminarme Kost verordnen um zu sehen, ob eine Veränderung eintritt.

Bevor man diese Tests durchführt sollte jedoch eine Grunddiagnostik erfolgt sein. Dazu gehören ein Blutbild durch den Hausarzt, eine Abdomensonographie und gegebenenfalls auch eine Gastro- bzw. Koloskopie, Untersuchungen, die dazu dienen, nicht allergische Erkrankungen auszuschließen oder auch z.B. im Falle der Glutenallergie (Zöliakie) bereits durch Schleimhautprobenahme wichtige Informationen zu erhalten. Viele unsere Patienten haben bereits eine gute Vordiagnostik hinter sich und bringen diese mit zum Erstgespräch.

Gibt es denn typische Hinweise auf nicht-allergische Nahrungsmittelunverträglichkeiten, z.B. auf Zusatzstoffe?

Ein typischer Hinweis auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist z.B., wenn die Patienten berichten, dass ihren Fertigprodukte Probleme verursachen. Bei Fertigprodukten können Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Geschmacksverstärker, z.B. die Glutamate, Beschwerden auslösen. Welcher der vielen Zusatzstoffe genau die Ursache der Symptome ist, lässt sich aber meist nur schwer herausfinden. Nur wenige Patienten können ihre Beschwerden exakt einem bestimmten Produkt zuordnen. Außerdem enthalten Fertigprodukte nicht nur Zusatzstoffe, sondern häufig auch Fruchtzucker und Sorbit, auf die Menschen mit einer Fruktose-/ Sorbitmalabsorption unverträglich reagieren könnten. Auch Zutaten wie Sellerie, Soja, Erdnüsse etc. sind in Fertigprodukten oft zu finden und das sind die drei potentesten Allergene in Bezug auf Nahrungsmittelallergien bei Erwachsenen, insbesondere wenn ein Heuschnupfen, speziell auf Frühjahrspollen besteht, man spricht dann von pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.