Molekulare Allergiediagnostik

Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- u. Asthma-Zentrum Westend

Molekulare Allergiediagnostik und Nahrungsmittelallergie: Gefährliche Allergene

In welchen Fällen bringt die molekulare  Allergiediagnostik bei Nahrungsmittelallergien auf gefährliche Allergene Vorteile?

Für den Patienten schafft die molekulare Allergiediagnostik in zwei Fällen Klarheit. Zum einen dann, wenn z.B. ein Sensibilisierungstest auf Erdnuss positiv ausfiel und der Arzt eventuell aufgrund fehlender Erfahrung den Verzehr von Erdnüssen verbietet, obwohl vielleicht eine harmlose Kreuzallergie dahinter steckt. Das ist insbesondere dann zu vermuten, wenn der Betroffene bei Erdnüssen noch nie Beschwerden hatte und aufgrund von Heuschnupfensymptomen im Frühjahr als Birkenpollenallergiker zu gelten hat. Mit einer Komponentendiagnostik auf die Risikoallergene der Erdnuss lässt sich eine Sensibilisierung entweder ausschließen und der Patient muss nicht auf Erdnüsse verzichten, oder aber nachweisen. Der Nachweis ist jedoch noch nicht gleichbedeutend mit einer klinischen Allergie – zu einer Erdnussallergie gehören eben auch die entsprechenden Symptome.

Der andere Fall, in dem die Komponentendiagnostik sehr hilfreich ist, wäre, wenn tatsächlich eine gefährliche Reaktion vorgelegen hat. Kommt man dann bei der Bestimmung des IgE gegen die Speicherproteine zu einem deutlich positiven Ergebnis, unterstützt dies die Diagnose und die Sensibilisierung gegen ein stabiles Erdnussallergen ist offenbar wirklich relevant. In diesem Fall muss der Patient dann mit entsprechenden Notfallmedikamenten, z.B. einer Adrenalin-Spritze zur Selbstinjektion, ausgerüstet werden, damit er im Falle einer anaphylaktischen Reaktion schnell handeln kann.

Bleiben wir beim Beispiel Erdnüsse: Angenommen bei einem Patienten wurde eine Erdnussallergie mit der klassischen Allergiediagnostik erstellt und angenommen, er verzichtet seitdem auf Erdnüsse. Sollte er dann die Diagnose mit Hilfe der molekularen Allergiediagnostik überprüfen lassen?

In den Fällen, in denen der Patient allein aufgrund einer Sensibilisierung in einem herkömmlichen Test auf das Allergen verzichtet hat und eigentlich gar nicht weiß, ob es bei Allergenverzehr zu allergischen Reaktionen kommen würde, könnte ein erneuter Test mit Hilfe der Komponentendiagnostik durchaus weiterführen. Fällt der Test dann negativ aus, wäre eine gefährliche Reaktion, d.h. eine anaphylaktische Reaktion unwahrscheinlich.   

Die Therapie bei Allergien gegen die gefährlichen Allergene bzw. Speicherproteine ist aber nach wie vor die Karenz?

Ja, die Karenz ist die wichtigste Maßnahme bei der Allergie auf gefährliche Allergene, denn hier droht eine anaphylaktische Reaktion.

Es gibt in wenigen Spezialzentren im Rahmen von wissenschaftlichen Studien auch die Möglichkeit, durch tägliche Einnahme des betreffenden Allergens, zunächst einer ganz winzigen und dann einer zunehmend größeren Menge, eine Art von Desaktivierung vorzunehmen, d.h. eine bessere Verträglichkeit zu erreichen. Dadurch baut sich ein gewisser Schutz auf. Allerdings bricht dieser Schutz rasch zusammen, wenn das Allergen nicht mehr täglich zugeführt wird. Dadurch wäre diese Desaktivierung eine dauerhafte, lebenslängliche Behandlung, denn nur wenige Patienten bleiben nach Absetzen der täglichen Allergenzufuhr längerfristig tolerant. Da diese Behandlung auch mit Nebenwirkungen belastet ist - es kann zu schweren allergischen Reaktionen kommen -, wird sie nur in spezialisierten Zentren und nur im Rahmen von Studien durchgeführt.

Herr Privatdozent Kleine-Tebbe, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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