Molekulare Allergiediagnostik

Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- u. Asthma-Zentrum Westend

Molekulare Allergiediagnostik und Nahrungsmittelallergie: Gefährliche Allergene

Ist eine solche schwere anaphylaktische Reaktion des Patienten der Grund für den Arztbesuch oder kann sich eine Allergie auf Speicherproteine auch durch ein orales Allergiesyndrom äußern?

Die allergische Reaktion auf Speicherproteine kann sehr unterschiedlich ausfallen, d.h. in Einzelfällen können die Reaktionen auch auf die Mundhöhle beschränkt sein und es kommt nur zu einem oralen Allergiesyndroms.

Bei Patienten, die auf die Samenspeicherproteine in der Erdnuss, der bekannteste Vertreter ist das Ara h 2, und der Haselnuss, hier ist es das Protein Cor a 14, sensibilisiert sind, wissen wir aber, dass es gehäuft zu schweren allergischen Systemreaktionen kommen kann. Beides sind sogenannte 2S Albumine, für schwere anaphylaktische Reaktionen bekannte Samenspeicherproteine.

Ersetzt die molekulare Allergiediagnostik bei Menschen mit einer Sensibilisierung auf Speicherproteine dann die orale Provokation?

Nein, nicht in allen Fällen, in denen man eine Sensibilisierung auf Speicherproteine feststellt, ersetzt die molekulare Allergiediagnostik eine Provokation mit Nahrungsmitteln. Z.B. gibt es immer wieder Einzelfälle, die trotz einer Sensibilisierung keine schweren allergischen Reaktionen zeigen. Umgekehrt kommt es vor, dass Patienten trotz fehlendem Sensibilisierungsnachweis schwer reagieren. In diesen Fällen bleibt die orale Provokation auf das verdächte Nahrungsmittelallergen ein notwendiger Test.

Woran liegt es, dass Menschen schwere allergische Reaktionen auf Speicherproteine haben, obwohl man keine Sensibilisierung feststellen kann?

Das liegt daran, dass bestimmte Komponenten, z.B. sogenannte Oleosine, in den üblichen Extrakten, die zur Allergiediagnostik verwendet werden, noch fehlen. Dementsprechend kann ein solcher Test auch keinen Sensibilisierungsnachweis auf Oleosine erbringen. Bei Oleosinen handelt es sich wahrscheinlich um stabile Allergene in der Fettfraktion der Nüsse und Hülsenfrüchte, die auch schwere Reaktionen auslösen können, aber nur in seltenen Fällen.

Insgesamt hat die komponentenbasierte Allergiediagnostik die Diagnose von Nahrungsmittelallergien, insbesondere im Hinblick auf diese Risikoallergene, einfacher gemacht. Mittlerweile findet sich bei Reihenuntersuchungen mit Sensibilisierungstests auf Erdnuss bei 10 Prozent der Bevölkerung ein positiver IgE-Befund. Schließlich kommen in Extrakten aus Erdnuss oder Haselnuss die erwähnten Proteinfamilien wie Bet v 1-verwandte Allergene, Profiline und LTP allesamt vor. Die Patienten reagieren also in erster Linie nur auf diese Proteinfamilien und leiden vor allem unter vergleichsweise harmlosen Bet v 1-vermittelten Sensibilisierungen. Das bedeutet, die Patienten zeigen in diesem Fall lediglich eine Kreuzreaktivität auf das Hauptallergen der Birke.

Nur ein ganz kleiner Prozentsatz der Sensibilisierten zeigt wirklich eine gefährliche Reaktion und diese Fälle lassen sich mit der molekularen Allergiediagnostik, speziell gegen die Speicherproteine bzw. speziell gegen das 2S Albumin, sehr zuverlässig aufspüren. Damit wird eine gezieltere Diagnostik speziell der gefährlichen Allergene der Erdnuss oder Haselnuss möglich.

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