Allergenkarenz Diät Allrgiker

Dr. Petra Zieglmayer, Chief Scientific Officer, QB, Allergieambulatorium Wien West

Allergenkarenz: Wann ist eine Diät für Allergiker sinnvoll?

Wie häufig zeigt sich denn anhand von IgE-Test, Prick-Test und Provokationstest, dass eine relevante Nahrungsmittelallergie oder eine Nahrungsmittelintoleranz besteht?

Bei Kindern findet man relativ häufig einen Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelallergien, Intoleranzen und den beschriebenen Symptomen. Bei Erwachsenen ist dies bei maximal 15 bis 20 Prozent der Patienten der Fall.

Ist eine Allergenkarenz also immer dann sinnvoll, wenn eine Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit sicher nachgewiesen wurde?

Nicht zwangsläufig, denn bei den IgE-vermittelten allergischen Reaktionen  gibt es Allergene, die hitzedenaturierbar bzw. verdauungsdenaturierbar sind. Ist ein Patient auf ein solches Allergen allergisch, dann ist es nicht nötig, das betreffende Lebensmittel komplett aus dem Speisplan zu streichen. Es reicht dann aus, das betreffende Nahrungsmittel zu kochen. Z.B. hilft es Patienten mit einer Kreuzallergie, die Äpfel in roher Form nicht vertragen, diese zu kochen. Als Apfelmus oder im Apfelstrudel ist das Hauptallergen des Apfels für diese Patienten verträglich. Ist das Allergen jedoch hitzestabil und verdauungsstabil, muss der Patient das Nahrungsmittel weglassen.

Wichtig zu wissen ist, dass schwere IgE-vermittelte Reaktionen nicht dosisabhängig sind. Es reichen auch Spuren des Allergens, um eine schwere Anaphylaktische Reaktion auszulösen. In diesen Fällen ist eine Allergenkarenz unabdingbar. Problematisch sind in diesem Zusammenhang Kennzeichnungen wie "Kann Spuren von … enthalten", die man auf vielen industriell gefertigten Lebensmitteln findet. Tatsächlich sind nur in 10 Prozent dieser Lebensmittel tatsächlich Spuren der angegebenen Substanzen nachweisbar!

Wenn der Patient eine sicher diagnostizierte klinisch relevante Nahrungmittelallergie hat und die Gefahr einer Anaphylaxie droht, oder wenn die ausgeprägte Allergie, gerade bei Kindern, zu Mangelernährung führt, ist eine gezielte Allergenkarenz angebracht. Es kann z.B. sein, dass Kinder auf Kuhmilch mit starken Durchfällen reagieren und deshalb immer mehr an Gewicht verlieren. In diesen Fällen ist eine Allergenkarenz sinnvoll.

Ein weiterer Grund für eine Allergenkarenz können bei IgE-vermittelten Reaktionen die Kreuzreaktivitäten sein. Unsere einheimischen Getreidesorten sind alle kreuzreaktiv, d.h. ein Patient mit einer Weizenallergie wird auf alle einheimischen Getreidesorten gleichermaßen reagieren, egal ob Roggen, Gerste, die alten Weizensorten etc. und muss auf Mais, Reis, Lupinen, Quinoa oder Ähnliches ausweichen.

Bei nicht IgE-vermittelten Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist eine Karenz eine Frage der Dosis. Meist vertragen die Patienten geringe Mengen Laktose, Fruchtzucker, Sorbit etc. und bekommen bei größeren Mengen Probleme. Mit Hilfe einer Ernährungsfachkraft müssen die Patienten austarieren, welche Dosen des jeweiligen Nahrungsmittels für sie verträglich sind. Ein "zu viel" kann bei diesen Patienten zwar massive Beschwerden auslösen und z.B. auch zu Mangelernährung führen, aber zu einem Anaphylaktischen Schock kann es nicht kommen.

Abschließend kann man sagen, dass eine Allergenkarenz individuell auf die Diagnose abgestimmt werden muss. Ziel ist es, mit Hilfe einer Diätberatung soviel Karenzmaßnahmen wie nötig und so wenig Karenzmaßnahmen wie möglich zu etablieren. Auf keinen Fall empfiehlt man heutzutage noch die "klassischen Reis-Wasser-Urtikaria-Diäten".

Sie erwähnten Kreuzreaktivitäten, auch beim Heuschnupfen kann es zu Kreuzreaktivitäten kommen, die sich als Orales Allergie Syndrom äußern können. Heißt das, dass man während des ganzen Jahres eine Allergiediät einhalten muss?

Nicht während des ganzen Jahres. Bei Kreuzallergien kommt es auch bei ähnlichen Allergenen zu allergischen Reaktionen des Patienten. Beispiele hierfür sind Baumpollenallergiker, die auf auch auf Äpfel, Birnen, Marillen etc. reagieren oder wenn ein Patient bei einer Beifuß-Allergie auf gewisse Gewürzkräuter oder Sellerie reagiert.

Wenn ein Patient Sensibilisierungen auf kreuzreaktive Allergene hat, wird seine IgE-Reaktivität während der Pollenflugsaison "hochreguliert" und er reagiert entsprechend stärker auf die kreuzreaktiven Nahrungsmittel. Ist der gleiche Patient außerhalb der Saison in seiner IgE-Reaktivität "runterreguliert", wird das klinische Bild der kreuzreaktiven Nahrungsmittelallergie milder verlaufen. Der Patient muss dann im Winter nicht unbedingt Reaktionen zeigen, wenn er z.B. Äpfel isst und eine Allergenkarenz wäre dann nicht nötig.

Frau Dr. Zieglmayer, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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