Allergenkarenz Diät Allrgiker

Dr. Petra Zieglmayer, Chief Scientific Officer, QB, Allergieambulatorium Wien West

Allergenkarenz: Wann ist eine Diät für Allergiker sinnvoll?

Sie betonen die Diagnose: Wie lässt sich zweifelsfrei feststellen ob eine Nahrungsmittelallergie besteht, die eine Allergenkarenz rechtfertigt?

Um die richtige Diagnose zu stellen muss man systematisch vorgehen, und zwar vom Allgemeinen zum Speziellen.

Allein mit der Standardallergiediagnostik, d.h. mit dem klassischen IgE-Test oder dem Prick-Test, ist eine exakte Diagnose nicht immer möglich. Abhängig vom vermuteten Allergen ist manchmal der IgE-Test und manchmal der Prick-Test aussagekräftiger und in manchen Fällen braucht man beide Tests, denn die Qualität der Testsysteme ist nicht immer ausreichend.

So gibt es Allergenquellen, deren Standardextrakte nicht alle relevanten Allergene enthalten, weil sie mit den bei der Herstellung der Allergenextrakte üblicherweise genutzten Extraktionsverfahren nicht extrahierbar sind. Die Testergebnisse sind aber nur dann aussagekräftig, wenn die Extrakte genau das Allergen enthalten, auf das der Patient allergisch ist.

Ein klassisches Beispiel hierfür ist die "Glutengruppe" des Weizens. Dazu gehört auch ein Allergen, das Anaphylaxien auslösen kann. Die "Gluten-Allergene" sind weder mit Wasser noch mit Alkohol extrahierbar, d.h. die entsprechenden Extrakte müssen mit einem speziellen Verfahren hergestellt werden. Ein negativer Test auf Weizen mit dem Standardextrakt heißt deshalb noch lange nicht, dass keine Allergie besteht. Um ein komplettes Allergieprofil zu erzielen, muss auch ein Test mit dem Spezialextrakt durchgeführt werden. Es kann auch durchaus sinnvoll sein, zusätzlich Provokationstestungen durchzuführen.

Wann würde man einen Provokationstest zur Diagnose einer Nahrungsmittelallergie oder Intoleranz durchführen?

Ein Provokationstest würde dann zum Einsatz kommen, wenn sich z.B. aus der Anamnese der Verdacht auf nicht-allergische Nahrungsmittelunverträglichkeiten ergibt. Für die Diagnose von Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption, Sorbitintoleranz stehen standardisierte Testmethoden zur Verfügung.

Auch wenn man eine IgE-vermittelte anaphylaktische Reaktion vermutet und andere Tests keine klaren Ergebnisse bringen, würde man einen Provokationstest durchführen oder wenn bei Kindern echte Gedeihstörungen auftreten. Es handelt sich also beim Provokationstest nicht um eine Standardmaßnahme.

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang IgG-Tests?

IgG-Tests messen die IgG-Antikörper im Blut. IgG-Antikörper zeigen aber lediglich an, dass der Patient mit den jeweiligen Nahrungsmitteln in relevanter Menge und Häufigkeit in Berührung gekommen ist und dass sich sein Immunsystem mit diesen Nahrungsmitteln kritisch auseinandergesetzt hat. Nach unserem derzeitigen Wissensstand können IgG-Antikörper aber keine allergischen Reaktionen auslösen. Deshalb kann man einen IgG-Test auf keinen Fall als Nachweis einer Allergie oder als Nachweis einer Nahrungsmittelunverträglichkeit sehen – IgG-Antikörper gelten allgemein als Toleranz-Antikörper. Dementsprechend sind die Ergebnisse eines IgG-Tests auch keine Basis für eine Allergenkarenz.

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