Allergenkarenz Diät Allrgiker

Dr. Petra Zieglmayer, Chief Scientific Officer, QB, Allergieambulatorium Wien West

Allergenkarenz: Wann ist eine Diät für Allergiker sinnvoll?

Besteht eine Allergie auf Weizen, Milcheiweiß, Hühnerei, Baumnüsse oder Erdnüsse, liegt es auf der Hand, dass man diese Nahrungsmittel meiden sollte. Aber auch bei einer Neurodermitis, einer Urtikaria oder beim Heuschnupfen versuchen Allergiker manchmal, eine Besserung über die Einhaltung einer speziellen Allergenkarenz zu erreichen. Dies ist in manchen Fällen durchaus sinnvoll, aber manchmal auch nicht. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Petra Zieglmayer, Chief Scientific Officer, QB, Allergieambulatorium Wien West über sinnvolle und weniger sinnvolle Allergiediäten.

Frau Dr. Zieglmayer,  bei welchen Allergien besteht ein Zusammenhang mit der Ernährung? Wann ist eine Allergiediät angemessen?  

Zunächst möchte ich grundsätzlich sagen, dass eine Nahrungsmittelkarenz ist nur dann zielführend ist, wenn der Verursacher der klinischen Probleme bekannt ist. Es ist nicht sinnvoll eine Diät auf "gut Glück" zu beginnen, ohne zu wissen, wonach man eigentlich sucht, denn gerade bei Kindern kann dies leicht zu Mangelerscheinungen führen.

Besteht aufgrund der Anamnese der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie oder eine Unverträglichkeit von Additiven, d.h. Zusatzstoffen, würde man damit beginnen, dass der Patient ein Ernährungstagebuch führt. In diesem Tagebuch würde der Patient alles notieren, was er zu sich nimmt, also auch jegliche Getränke, auch Medikamente und selbst einen Kaugummi. Anhand des Ernährungstagebuchs kann man dann sehen, welche Nahrungsmittel in welchem zeitlichen Zusammenhang Beschwerden hervorrufen. Darauf aufbauend würde man dann Allergietests durchführen.

In welchen Fällen könnte aufgrund der Anamnese der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie oder Intoleranz entstehen und wann rechtfertigt dies eine Allergenkarenz?

Die Frage, ob möglicherweise eine Nahrungsmittelallergie vorliegen könnte, stellt sich z.B. bei Hauterkrankungen wie Urtikaria oder Atopischer Dermatitis. Bei diesen Erkrankungen vermutet man oft, dass Nahrungsmittel die Trigger für Schübe sein könnten. Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass sich im Blut betroffener Babys häufig bereits spezifische Antikörper gegen vereinzelte Nahrungsmittel finden, d.h. Sensibilisierungen.

Weitgehend ungeklärt ist, wie es zu solchen Sensibilisierungen kommt, denn z.T. haben die Säuglinge das betreffende Nahrungsmittel noch nie gegessen. Man vermutet deshalb, dass die IgE-Antikörper bereits im Mutterleib gebildet werden. Allerdings haben diese Sensibilisierungen, meist handelt es sich um Kuhmilch, Ei und Erdnüsse, kaum eine klinische Relevanz. Man darf deshalb nicht allein aufgrund von IgE-Antikörpern im Blut auf eine klinisch relevante Allergie schließen, sondern erst wenn ein Zusammenhang zwischen klinischer Symptomatik und vermutetem Allergen zweifelsfrei festgestellt werden kann. Die Sensibilisierung allein rechtfertigt noch keine Allergenkarenz.

Aber auch bei allen Arten von Verdauungsbeschwerden, Magenbeschwerden, Bauchkrämpfen, Blähungen, Durchfällen etc. die durch Nahrungsmittelallergien oder auch durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten verursacht sein könnten, würde man mit einem Ernährungstagebuch beginnen und dann stufenweise testen. Erst wenn sich dabei ein Allergen oder ein Pseudoallergen als Verursacher klar identifizieren lässt, würde dies eine entsprechende Allergenkarenz rechtfertigen.

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