Fleischallergie Zeckenbiss

Prof. Dr. med. Tilo Biedermann, Leitender Oberarzt Allergologie, Forschungsgruppe Allergie und Immunologie an der Universitäts-Hautklinik der Eberhard Karls Universität in Tübingen

Fleischallergie: Wie sehen die Symptome aus? Wie erfolgt die Diagnose?

Seit wann sieht man in Deutschland das neue Krankheitsbild Fleischallergie?

Den ersten Patienten, der über eine "Allergie gegen Schweineniere" klagte, hatten wir in Tübingen um das Jahr 2005. Zu diesem Zeitpunkt war das Krankheitsbild der "neuen Fleischallergie" zwar noch nicht bekannt, aber wir hatte den Verdacht, dass ein Zusammenhang mit dem Verzehr von Nieren bestehen muss. Als das Krankheitsbild dann identifiziert und beschrieben wurde, hatten wir bereits 10 Patienten, auf die die Beschreibung passte. Mittlerweile haben wir in Tübingen über 100 Patienten, die gegen die α-Galaktose sensibilisiert sind.

Welche Symptome sind bei einer Fleischallergie möglich?

Bei einer Fleischallergie können alle Organsysteme betroffen sein. Manche unserer Patienten berichten über Hautsymptome, z.B. Urtikaria, andere haben nur Darmsymptome, wieder andere klagen über Atemnot und in manchen Fällen kommt es zum Kreislaufzusammenbruch, d.h. zu einem Anaphylaktischen Schock.

Sie erwähnten die glykosylierten Proteine als mögliche Allergenquellen für Fleischallergiker – was versteht man darunter?

Glykosylierte Proteine sind Eiweiße, an die bei der Herstellung innerhalb z.B. einer tierischen Zelle "Zuckerreste" angehängt wurden. Glykosylierte Proteine findet man in der Natur überall, auch in Fleisch.

Normalerweise bilden Allergiker IgE-Antikörper auf Proteine. Unter Gräserpollenallergikern finden sich jedoch z.B. sehr viele Patienten, die gegen die "Zuckerreste" von glykosylierten Proteinen, sogenannte Kohlenhydratseitenketten, IgE-Antikörper bilden. Bei den Gräserpollenallergikern sind diese IgE-Antikörper gegen Zuckerreste jedoch klinisch nicht relevant. Sie erschweren lediglich die Diagnostik, da sie die Ursache für Kreuzreaktivitäten sind.

Bei der Fleischallergie liegen die Dinge allerdings anders. Fleischallergiker bilden ebenfalls IgE-Antikörper gegen eine Kohlenhydratseitenkette, die α-Galaktose, und diese Antikörper vermitteln bei den Fleischallergikern auch tatsächlich die Allergie. Wir haben es also bei den Fleischallergikern mit dem bisher einmaligen Fall zu tun, dass IgE-Antikörper gegenüber glykosylierte Proteine gebildet werden und zu klinisch relevanten Symptomen führen. Dies ist in dieser Form bei keiner anderen Allergie bisher bekannt.

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