Allergieprävention Schwangerschaft Stillzeit

Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter des Allergie-Centrums der Ruhr-Universität Bochum (ACR)

Allergieprävention: Richtig ernähren in Schwangerschaft und Stillzeit!

In Studien an Kindern atopischer Eltern im Säuglingsalter konnte man durch die Gabe von Bakterienlysaten das Neurodermitisrisiko senken.1) Ließe sich daraus ableiten, dass Bakterienlysate auch in der Schwangerschaft eine risikominimierende Wirkung in Bezug auf Neurodermitis haben könnten? Gibt es hierzu auch Studien an werdenden Müttern? 

Zur präventiven Wirksamkeit von Bakterienlysaten bereits während der Schwangerschaft, also bei werdenden Müttern, gibt es bislang keine Studien.

In der hier erwähnten Studie an Säuglingen konnten wir aber zeigen, dass die Einnahme von Bakterienlysaten in der Zeit vom 2. bis zum 6. Lebensmonat die Neurodermitishäufigkeit bei Kindern mit einer einfach positiven Familienanamnese, d.h. mit einem allergisch vorbelasteten Elternteil, signifikant senken konnte.

Hierzu haben wir auch eine Ergänzungsstudie veröffentlicht, in der wir genauer den Zusammenhang zwischen Darmflora und dem Neurodermitisrisiko untersucht haben. Hier konnten wir zeigen, dass das Vorhandensein älterer Kinder in der Familie in dem Sinne einen günstigen Einfluss auf die Entwicklung der Darmflora beim Neugeborenen nimmt, dass sich bestimmte Keime vermehrt zeigten und das Risiko für Neurodermitis abnahm. Das bedeutet, dass durch ältere Geschwister ein direkter Einfluss auf das Mikrobiom des Darms genommen wird. 2)

Allerdings ist im Zusammenhang mit der "Primärprävention" die Nahrungsergänzung durch Probiotika oder Präbiotika ein Thema. Die Studienlage ist zurzeit sehr divergent, d.h. es gibt sowohl Studien, die eine gute Wirksamkeit von Probiotika zur Allergieprävention nachweisen, als auch Studien, die keinen Nachweis für diese Wirkung zeigten.

Die größte Wahrscheinlichkeit für eine positive Wirksamkeit von Probiotika hat sich in Studien mit sogenannten "Hochrisikokindern", d.h. in Bezug auf Allergien erblich vorbelasteten Kindern, gezeigt. In diesen Untersuchungen hat man bereits den Müttern dieser "Hochrisikokinder" während der letzten Schwangerschaftsmonate und dann in den ersten Monaten des Stillens bzw. den Neugeborenen als Zusatz zur Formula Probiotika in ausreichend hoher Dosierung täglich verabreicht. Hierdurch entwickelte sich in einigen Studien signifikant seltener eine Neurodermitis bei den Kindern. Für diesen präventiven Effekt scheint aber die Kombination der Probiotikagabe in den letzten Schwangerschaftsmonaten und in der Stillzeit notwendig zu sein, und der Effekt zeigte sich ausschließlich für die Neurodermitis und nicht für allergische Sensibilisierungen allgemein oder für andere allergische Erkrankungen, wie Rhinitis oder Asthma.

Welche weiteren Empfehlungen zur Allergie-Primärprävention gibt es für die ersten Lebensmonate?

Zur Primärprävention von Kuhmilchallergie gibt es Empfehlungen aus der sogennnten GINIplus-Studie, einer Langzeitbeobachtung an zufällig ausgewählten Kindern von der Geburt an, die entweder gestillt, mit normaler oder eben mit hypoallergener Formula ernährt wurden. Ganz klar ist die allgemeine Empfehlung für Mütter, wenn möglich in den ersten vier Lebensmonaten des Kindes ausschließlich zu stillen. Sollte dies nicht möglich sein, lautet die Empfehlung für Risikokinder, d.h. bei Kindern mit einer positiven Familienanamnese für Allergien, in den ersten vier Lebensmonaten hydrolysierte Säuglingsnahrung zu füttern. Nicht empfehlenswert sind pflanzliche Säuglingsnahrungen, wie z.B. sojabasierte oder weizenbasierte Säuglingsnahrungen, oder Milchsorten wie Kuhmilch, Ziegenmilch, Schafsmilch etc., die eine hohe Kreuzreaktivität zur Kuhmilch aufweisen.

Herr Prof. Hamelmann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 Quellen:

1)    Oral application of bacterial lysate in infancy decreases the risk of atopic dermatitis in children with 1 atopic parent in a randomized, placebo-controlled trial, Lau S, Gerhold K, Zimmermann K, Ockeloen CW, Rossberg S, Wagner P, Sulser C, Bunikowski R, Witt I, Wauer J, Beschorner J, Menke G, Hamelmann E, Wahn U.¸ J Allergy Clin Immunol. 2012 Apr; 129(4):1040-7. doi: 10.1016/j.jaci.2012.02.005.

2)    Establishment of the intestinal microbiota and its role for atopic dermatitis in early childhood, Penders J, Gerhold K, Stobberingh EE, Thijs C, Zimmermann K, Lau S, Hamelmann E., J Allergy Clin Immunol. 2013 Sep; 132(3):601-607.e8. doi: 10.1016/j.jaci.2013.05.043.

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