Orale Provokation bei Lebensmittelallergien

Prof. Dr. med. Bodo Niggemann, Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin

Orale Provokation zur Ermittlung von Allergien auf Nahrungsmittel

Sie erwähnten die Anaphylaxie – wie hoch ist das Risiko bei der oralen Provokation?

Das Risiko für eine Anaphylaxie bei der oralen Provokation hängt von der individuellen Vorgeschichte ab, von der Grundkrankheit (z.B. Asthma bronchiale) und vom Allergen ab. Z.B. rufen Baumnüsse und Erdnüsse, letztere gehören ja zu den Hülsenfrüchten, eher eine anaphylaktische Reaktion hervor, als andere Nahrungsmittel.

Welchen Stellenwert hat die orale Provokation im Vergleich zu anderen Allergietests?

Die orale Provokation auf Nahrungsmittelallergien ist der goldene Standard – es gibt keine bessere Methode. Alle Allergietests beweisen nur eine Sensibilisierung und geben damit einen Anhaltspunkt, z.B. ob es sich überhaupt um eine IgE-vermittelte Reaktion auf ein Nahrungsmittel handeln könnte, Es gibt ja auch nicht-IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien, z.B. die Kuhmilchprotein-Intoleranz, oder nicht-allergische Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie z.B. die Laktoseintoleranz.

Wo kann ein Patient eine orale Provokation auf Nahrungsmittelallergie durchführen lassen?

Es gibt in Deutschland nur etwa 15 (von insgesamt ca. 500 Kinderkliniken), die bei Kindern orale Nahrungsmittelprovokationen in nennenswertem Ausmaß durchführen. Bei Erwachsenen dürfte die Situation nicht besser aussehen. Natürlich hat eine Klinik, die jährlich nur 5 Provokationen durchführt, nicht so viel Erfahrung wie eine Klinik die zwischen 50 und 500 orale Provokationen im Jahr durchführt.

Wichtiger als die Auswahl der Klinik ist jedoch, dass überhaupt eine kontrollierte orale Provokation durchgeführt wird. Wenn es zur Anaphylaxie kommt, steht in einer Klinik, anders als im häuslichen Umfeld, schnell qualifizierte Hilfe bereit.

Für die Kinderheilkunde haben wir bei der GPA, der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie, eine Datenbank gestartet. Verschiedene Kliniken, die orale Provokationen durchführen, geben hier die Ergebnisse ihrer oralen Provokationen ein. Von diesen Daten – inzwischen enthält die Datenbank über 3.000 Datensätze - erwarten wir uns interessante Erkenntnisse im Bereich Diagnostik, Therapie und Sicherheit.

Herr Prof. Niggemann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

* "Standardisierung von oralen Provokationstests bei Nahrungsmittelallergien" Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) sowie der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA)und Umweltmedizin (GPA), Dtand Juli 2010

und

"Orale Nahrungsmittelprovokationen bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie im Säuglings- und Kindesalter", Pädiatrische Allergologie 12, Sonderheft Nahrungsmittelallergie 2009

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