Orale Provokation bei Lebensmittelallergien

Prof. Dr. med. Bodo Niggemann, Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin

Orale Provokation zur Ermittlung von Allergien auf Nahrungsmittel

Kann es vorkommen, dass ein Patient bei der oralen Provokation auf Nahrungsmittelallergien positiv auf das Plazebo reagiert und wie geht man dann weiter vor?

Das ist möglich, aber eine positive Plazebo-Reaktion ist nur dann zu verwerten, wenn sie mit einer negativen Reaktion auf das Allergen einhergeht, denn dann ist es nicht wahrscheinlich, dass eine Allergie besteht. Werden klinische Reaktionen des Patienten sowohl auf das Verum als auch auf das Plazebo beobachtet, muss die gesamte orale Provokation wiederholt werden. Wenn das Verum positiv ist und das Plazebo negativ, handelt es sich um eine klar positive Reaktion etc.. Insgesamt muss also je nach Konstellation dann der nächste Schritt überlegt werden.

Wie erklärt sich beim oralen Provokationstest eine positive Reaktion auf Verum und Plazebo gleichermaßen?

Es kann z.B. vorkommen, dass ein Patient, der unter einem Atopischen Ekzem leidet, sich im Laufe des Tests einmalig erbricht und sich das Hautbild verschlechtert. Die Verschlechterung des Hautbildes kann einer Reaktion auf das Allergen oder auch einer natürlichen Tagesschwankung geschuldet sein und das Erbrechen könnte auf eine Abneigung gegen das zu testende Lebensmittel zurückzuführen sein. Dies kann entweder rein psychische Ursachen haben, z.B. dass allein die Vorstellung, z.B. Hühnerei zu essen, Übelkeit hervorruft. Es kann jedoch auch vorkommen dass der Patient das Ei trotz guter Verblindung herausschmeckt und darauf mit Übelkeit reagiert. Im Zuge der Verblindung werden Geschmack, Farbe und Konsistenz der Nahrungsmittel so verändert, dass diese möglichst nicht zu erkennen sind.

Bei den meisten positiven Plazebo-Reaktionen handelt es sich um Ekzemreaktionen. In diesen Fällen erfolgt die Reaktion auf die orale Provokation verspätet und lediglich in Form einer Ekzemverschlechterung, ohne dass es zu Soforttypreaktionen kommt.

Zu welchen allergischen Reaktionen kann es im Verlaufe des oralen Provokationstests kommen?

Die häufigsten allergischen Reaktionen auf ein Nahrungsmittel sind Soforttypreaktionen an der Haut, wie Quaddeln (Urtikaria), Rötungen, Juckreiz oder Schwellungen (Angioödem).

Mit einem gewissen Abstand folgen dann gastrointestinale Symptome wie Erbrechen oder Durchfall und dann kommen Atemwegssymptome wie Asthma oder Stridor – und dann erst folgen Kreislaufreaktionen. Bei schwerer Atemnot und/oder Kreislaufreaktionen spricht man von einer anaphylaktischen Reaktion.

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