Orale Provokation bei Lebensmittelallergien

Prof. Dr. med. Bodo Niggemann, Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin

Orale Provokation zur Ermittlung von Allergien auf Nahrungsmittel

Wie geht man bei der oralen Provokation auf Nahrungsmittelallergien vor?

Wir haben für die standardisierte Durchführung oraler Provokationstests Manuale entwickelt. Zum einen auf der Ebene der Kinderheilkunde und zum anderen zusammen innerhalb der drei großen allergologischen Fachgesellschaften, der GPA, dem Aeda und der DGAKI.*

In diesen Manualen wird z.B. die Anzahl und Dosierung der Titrationsstufen festgelegt, d.h. wie oft und in welcher Konzentration das Allergen im Verlauf der oralen Provokation verabreicht werden sollte. Mit der titrierten Gabe soll gewährleistet werden, dass das Allergen dem Patienten nicht auf einmal und in zu hoher Dosis zugeführt wird.

Vor einer oralen Provokation wird der Patient zunächst eine ein- bis zweiwöchige diagnostische Eliminationsdiät durchführen. Beim oralen Provokationstest wird dem Patienten das Allergen dann in sieben Titrationsstufen, alle 30 Minuten in langsam steigenden Dosen verabreicht. Die erste Dosis enthält nur eine sehr geringe Menge des Allergens, denn Allergiker können bereits auf sehr geringe Allergenmengen in Nahrungsmitteln reagieren. Dennoch werden in der Regel Symptome bei hohen Allergenmengen wesentlich gravierender ausfallen. Um den Patienten nicht zu gefährden wird man bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie vom Soforttyp nie mit der stärksten Dosis beginnen.

Nach heutigem Wissen wird der Patient am nächsten Tag zusätzlich mit einer kumulativen Gesamtdosis des ersten Tages provoziert, d.h. er bekommt die Allergenmenge, die er an Tag 1 in sieben Schritten erhalten hat, auf einmal.

Warum gibt man am zweiten Tag der oralen Provokation eine kumulative Dosis des Allergens?

Eine kumulative Dosis des Allergens wird am zweiten Provokationstag deshalb gegeben, weil sich gezeigt hat, dass - allergen-unabhängig - ungefähr 10 Prozent der Patienten nicht am ersten Tag der oralen Provokation, sondern erst am zweiten Tag eine allergische Reaktionen zeigen. Das kann damit begründet werden, dass die Patienten am ersten Provokationstag aufgrund der stetig steigenden Dosierung des Allergens eine "Schnelltoleranz" entwickeln. Damit sind sie zwar am Ende des ersten Tages der oralen Provokation "klinisch tolerant" gegenüber dem Allergen, ein dauerhafter "Immunswitch", d.h. winw immunologische Toleranz, ist jedoch nicht erfolgt.

Würde man den oralen Provokationstest an dieser Stelle beenden, wären die Ergebnisse unter Umständen falsch negativ und es könnten eventuell gefährliche allergische Reaktionen zuhause auftreten. Gibt man aber nach einer Nacht Allergen-Pause, das sind im Stationsalltag ca. 16 Stunden, die kumulierte Allergen-Dosis des ersten Tages, kann es sein, dass der Patient doch noch positiv reagiert. Diese Verfahrensweise hat sich bewährt und sollte deshalb dem Standard entsprechen.

Wie lange dauert ein oraler Provokationstest auf Nahrungsmittelallergien, insbesondere dann, wenn auf mehrere Allergene getestet wird?

Bei einem oralen Provokationstest auf Nahrungsmittelallergien muss man mit ungefähr 1,5 Tagen pro Allergen rechnen. In den meisten Fällen kann man die Anzahl der potenziellen Allergene auf maximal zwei bis drei Allergene eingrenzen, denn z.B. auf Sensibilisierungen, die auf Kreuzreaktionen zurückzuführen sind, muss nicht getestet werden.

Die relevanten Allergene werden dann auf die gerade besprochene Art und Weise hintereinander getestet. Wenn der Patient allerdings im Zuge der oralen Provokation auf ein Allergen so stark reagiert, dass Medikamente eingesetzt werden müssen, die die folgende Immunantwort unterdrücken können, muss der Provokationstest für ungefähr 24 Stunden unterbrochen werden. Durch die Medikamente würden die Symptome auf nachfolgende Allergene "maskiert", weshalb der Test nach einem Tag Pause wiederholt werden muss.

Wie lange dauert es bis zur Auswertung der oralen Provokationstests auf Nahrungsmittelallergien?

Bei den offenen Provokationstests auf Nahrungsmittelallergien kann man die Reaktion meist bereits am Provokationstag einordnen, d.h. nach der klinischen Reaktion. Bei den doppel-blinden Provokationstests erfolgt die Auswertung am Ende der Testphase. Ein Beispiel: Werden im oralen Provokationstest, z.B. zwei Allergene und ein Plazebo getestet, würde man z.B. in den ersten anderthalb Tagen Kuhmilch testen, ab dem Nachmittag des zweiten Tages bis Ende des dritten Tages das Plazebo und am vierten Tag bis Mitte des fünften Tages z.B. Hühnerei. Am Nachmittag des fünften Tages würde man dann "entblinden" um zu sehen, welches Allergen welche Reaktion hervorgerufen hat.

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