Wie wirkt sich eine Nahrungsmittelallergie auf die Lebensqualität aus?

Wie wirkt sich bei Menschen mit Nahrungsmittelallergien diese Angst auf den Umgang mit anderen Menschen aus?

Eine New Yorker Studie hat gezeigt, dass Kinder mit Nahrungsmittelallergien auch in Gefahr sind, gemobbed zu werden.  Von 250 befragten Kindern berichteten 46 Prozent der Kinder, dass sie in der Schule mit Mobbing konfrontiert würden - 30 Prozent davon aufgrund ihrer Nahrungsmittelallergie selbst von Lehrern. Dies ist eindeutig eine Einschränkung der Lebensqualität für diese Kinder. Häufig trauen sie sich auch zunächst nicht, ihre Eltern über die Vorkommnisse zu informieren. Erst wenn dies der Fall ist, kann das Problem aber angegangen werden und die Lebensqualität kann wieder steigen.

Ist es möglich die Angst und damit die Lebensqualität "in den Griff" zu bekommen? Was müssen Eltern beachten?

Sehr wichtig für die Patienten mit Nahrungsmittelallergien bzw. deren Eltern ist ein Ansprechpartner, dem sie vertrauen und den sie regelmäßig kontaktieren können. Dies kann ein Arzt sein oder eine Ernährungsfachkraft, aber die Patienten müssen das Gefühl haben, dass man sich für sie Zeit nimmt und sich um sie kümmert. Dieser Ansprechpartner sollte eine gute Diagnostik und Beratung bieten, für Fragen zur Verfügung stehen, wichtige Informationen geben und bestehende Ängste auf ein "vernünftiges Maß" regulieren.    

Wichtig sind auch seriöse Informationen, wie z.B. der DAAB sie bietet, und eine gute Schulung - hier hilft das Netzwerk AGATE, das  Anaphylaxie Schulungen für Patienten und Angehörige konzipiert hat.

Ein besonders wichtiger Aspekt der Schulung ist die psychosoziale Problematik, die mit dem Themenblock "Überleben im Alltag" angesprochen wird.  Hier bekommen die Eltern Hilfestellungen zu Fragen wie: "Wie gehe ich mit Kindergärten um? Wie mit den Lehrern? Und wie mit dem Verkäufer an der Brötchentheke? Kann ich mit meinem Kind fliegen" etc.. Daneben bekommen die Eltern in diesen Schulungen eine Ernährungsberatung, eine Einkaufsberatung und sie üben die Nutzung des Autoinjektors intensiv.  

Aus meiner Sicht ist der wichtigste Aspekt der Schulung jedoch der Austausch der Eltern untereinander. Viele Eltern stellen hier zum ersten Mal fest, dass sie mit ihrem Problem nicht allein sind und dass auch andere Eltern Angst haben und manchmal unsicher sind und dass man dennoch ein gewisses Maß an Sicherheit erreichen kann.

Grundsätzlich ist es natürlich noch wichtig, dass ein Anaphylaxie Pass erstellt und stets mitgeführt wird.

Wo ist der Mittelweg zwischen zu großer Angst und Sorglosigkeit?

Bezogen auf die Eltern eines anaphylaktischen Kindes ist es meist so, dass ein Elternteil sehr große Ängste entwickelt und das andere Elternteil eher weniger ängstlich ist. Wenn Eltern dieses Spannungsfeld bewusst wahrnehmen, kann ihnen dies sogar dabei helfen, eine Balance zu finden. Die Eltern können sich so im Umgang mit dem Kind "in der Mitte" der beiden Extreme positionieren. Mein Rat an die Eltern ist, sich immer wieder bewusst mit dem Thema "zu viel Angst" oder "zu sorglos" auseinanderzusetzen und darauf hinzuarbeiten, einen vernünftigen Weg zu finden, der dem Kind zugutekommt.

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